DNA-Pionier: "Schwarze weniger intelligent als Weiße"

Empörung über Medizin-Nobelpreisträger James Watson: Man gehe davon aus, dass "ihre Intelligenz unserer entspricht, obwohl alle Tests dagegen sprechen", sagt er.

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(c) AP (Matt Dunham)

Einen Sturm der Entrüstung hat der Medizinnobelpreisträger von 1962 und DNA-Entschlüsseler James Watson (79) mit der Behauptung ausgelöst, Schwarzafrikaner seinen weniger intelligent als Weiße. Wie die britische Zeitung "The Independent" am Donnerstag in ihrer Internetausgabe berichtete, hat das angesehene Science Museum in London deshalb einen Vortrag des prominenten amerikanischen Wissenschaftlers gestrichen.

Watson will in Großbritannien sein neues Buch mit dem Titel "Avoid boring people. Lessons from a life in science" ("Meide langweilige Leute. Lektionen aus einem Wissenschaftlerleben") vorstellen. Dazu will er die bedeutendsten akademischen Institutionen des Landes, darunter in Oxford und Cambridge, sowie die Royal Society in London aufsuchen.

Watson von Science Museum London ausgeladen

Am Freitag war ein bereits ausgebuchter Auftritt im Science Museum vorgesehen. Dieser wurde nun wegen Watsons Äußerungen, die, so die Begründung, "über jeden akzeptabel Diskussionspunkt" hinausgingen, abgesagt. Vertreter von Menschenrechtsorganisationen forderten, Watson solle seine Äußerungen zurücknehmen und sich entschuldigen.

Watson hatte in "The Sunday Times" die Ansicht vertreten, die Zukunftsaussichten für den afrikanischen Kontinent seien schlecht. Der Westen ginge in seiner Entwicklungshilfe-Politik nämlich davon aus, dass "ihre Intelligenz unserer entspricht, obwohl alle Tests dagegen sprechen". In den kommenden zehn Jahren würden die für diese Unterschiede verantwortlichen Gene entdeckt werden.

Watson: Gleichheit der Menschen besteht nicht

Der Nobelpreisträger betonte, es sei das menschliche Streben nach Gleichheit der Menschen anerkennenswert. Aber Personen, die mit schwarzen Mitarbeitern zu tun hätten, meinten, dass dem nicht so sei. Derartige Überlegungen sind auch in Watsons neuem Buch enthalten, das in der kommenden Woche in Großbritannien erscheinen soll.

Es gebe keinen schlüssigen Grund anzunehmen, "dass die intellektuellen Fähigkeiten von Personen, die im Moment ihrer Evolution getrennt waren, identisch sein müssen", heißt es darin unter anderem. "Unser Wunsch, allen die gleichen rationalen Fähigkeiten als eine Art universelles Erbe der Menschheit zuzuerkennen ist nicht ausreichend, um ihn auch wahr werden zu lassen."

Die Leute meinen, es wäre furchtbar, wenn alle Mädchen schön wären. Ich dagegen glaube, es wäre wunderbar.

James Watson

Watson hat laut italienischer Zeitung "Corriere della sera" bereits in der Vergangenheit mit Aussagen über Politik, Sexualität und Rassen für Kontroversen gesorgt. 1997 behauptete er, eine Frau habe das Recht auf Abtreibung, wenn aus der genetischen Analyse des Embryos hervorgehe, dass ihr Kind homosexuell veranlagt sei. Zudem meinte Watson, Farbige hätten eine ausgeprägtere Libido als Weiße.

Außerdem sprach er sich für Eugenik - in der NS-Zeit als "Rassenhygiene" bezeichnet - aus. "Die Leute meinen, es wäre furchtbar, wenn alle Mädchen schön wären. Ich dagegen glaube, es wäre wunderbar."

Medizin-Nobelpreis 1962

Watson hatte gemeinsam mit dem 2004 verstorbenen Francis Crick 1953 die räumliche Struktur der menschlichen Erbsubstanz DNA als "Doppelhelix" entschlüsselt. 1962 wurden die beiden gemeinsam mit Maurice Wilkins, der sie mit der Messmethode der Röntgenkristallographie vertraut gemacht hatte, mit dem Medizin-Nobelpreis belohnt. (Ag.)

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