Wissenschaftlerin im Film: Nur mit strenger Frisur und Brille

Eine vom Wissenschaftsministerium geförderte Filmschau zeigt, welche Rolle die weibliche Seite der Wissenschaft im Film spielt.

„Zeichne mir einen Wissenschaftler“, wurden Kinder in einer internationalen Studie gebeten. Eigenartigerweise ähnelten sich alle Zeichnungen sehr: Es waren alte Männer mit weißem Mantel, Bart und Brille zu sehen. Wo aber waren die Frauen? Wenn die Bilder der Kinder ein Abbild dessen sind, was in unseren Köpfen als gegeben angenommen wird, dann kommen beim Berufsbild „Wissenschaftler“ keine Frauen vor.

Dieses Ungleichgewicht der Geschlechter im Wissenschaftsbereich sollte heuer wenigstens hierzulande gerade gerückt werden. „In Österreich sind viele Frauen in Wissenschaft und Forschung sehr erfolgreich. Nur ist diese Tatsache in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt“, sagte Wissenschaftsminister Hahn im Mai diesen Jahres beim Startschuss der „Visibility Maßnahmen“, die vom BMWF initiiert und gefördert wurden. Das Paket der Maßnahmen zum Sichtbarmachen der Frauen in der Forschung umfasste einerseits Medientraining für Wissenschaftlerinnen, um deren Hemmschwelle zu senken, mit eigenen Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen.

 

Glaubwürdige Forscherinnen im Film?

Weiters gab es Schwerpunkte in den Medien, die verstärkt über die Wissenschaftstätigkeit von Frauen berichteten. Und als Abschluss der Aktion beginnt diesen Freitag die Filmschau „Wissenschafterinnen im Film“ im Votivkino. Die höhere Medienpräsenz von männlichen Wissenschaftlern gegenüber ihren weiblichen Kollegen spiegelt sich sogar in der Fiktion wider: Welcher Spielfilm fällt Ihnen spontan ein, in dem die Hauptrolle eine Wissenschaftlerin ist? „Den meisten Menschen fällt nur ,Madame Curie‘ oder ,Gorillas im Nebel‘ ein“, berichtet Wilbirg Brainin-Donnenberg, Kuratorin der Filmschau. Auch ihr wurde erst während der Vorarbeiten klar, wie schwierig es ist, eine gute Auswahl an Filmen zu präsentieren, in denen Frauen in der Wissenschaft erstens die Hauptrolle spielen und zweitens – wenn schon in Nebenrollen – nicht „die lieb lächelnde Blonde“ sind.

Brainin-Donnenberg spricht von einer Marginalisierung von Wissenschaftlerinnen im Film und betont, dass die aktuellen Filmtage besonders jene Filme zeigen, die glaubwürdige Frauen in glaubwürdigen Situationen darstellen. „Besonders Geisteswissenschaftlerinnen waren schwierig zu finden. Naturwissenschaftlerinnen im Labor mit ihren Accessoires kommen öfter vor.“ Und auch in den ernst zu nehmenden Filmen sind die Forscherinnen meist klischeehaft dargestellt oder werden als Personen mit starken Schwächen gezeichnet.

Um den Bezug zur realen Wissenschaftswelt zu intensivieren, gibt es bei zehn Filmen auch Impulsreferate von Frauen, die derzeit in Österreich forschen. Sowohl Nachwuchsforscherinnen als auch Uni-Professorinnen werden dazu über die Rolle der Wissenschaftlerin im Film und ihre eigene Rolle in der Realität sprechen. Dann kann der Zuseher ja überprüfen, wie sehr das im Film gezeichnete Klischee der Wissenschaftlerin mit strenger Frisur und Brille den echten Forscherinnen entspricht. vers

Flimschau „Wissenschafterinnen im Film“. Von 21. bis 27. November. www.votivkino.at/textinfo/filmfolderwissenschafterinnen.pdf

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2008)

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