Jugendliche brauchen Grünräume zur Erholung

Sparkling Science. Wiener Schüler forschten mit Wissenschaftlern der Boku und der Med-Uni Wien: Wie wirkt sich Erholung im Grünen auf das Wohlbefinden aus? Welche Rückzugsräume nutzen Jugendliche im Alltag?

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Wo erholen sich Jugendliche am besten? Das untersuchte das Sparkling-Science-Projekt „Pause bitte!“ von der Boku und Med-Uni Wien, gefördert vom Wissenschaftsministerium. „Von Erwachsenen ist bekannt, dass Grünräume stark zur Erholung beitragen“, sagt Renate Eder von der Boku. Daher wurde an und mit 16- bis 18-Jährigen aus drei Wiener Schulen gemessen, wie sich Ausflüge ins Grüne, mit Picknick und Spaziergang, auf das Wohlbefinden auswirken.

Vor, während und nach der Erholstunde wurde das Wohlbefinden medizinisch und psychologisch erhoben: mit Fragebogen, Konzentrationstest, Messung von Puls, Sauerstoffsättigung des Blutes und Lungenfunktion. „Wir haben pro Schule einen städtischen Platz in der Nähe ausgesucht, etwa den Keplerplatz für die Schüler aus Favoriten. Zweitens einen naturnahen Park und drittens ein sehr grünes Gebiet, wie den Laaer Wald in Favoriten oder den Schlosspark in Pötzleinsdorf“, so Eder.

Tatsächlich beeinflusste der zunehmende Grünfaktor das Wohlbefinden der Schüler positiv. „Jeder Ausflug steigerte das Wohlbefinden, aber am längsten hielt die Erholung nach den großen grünen Parks an.“ Gemeinsam mit einer Firma für Luftqualitätsmessungen erkannten die Forscher auch, dass in den Klassenzimmern stets zu hohe CO2-Werte herrschen, die die Leistung der Schüler mindern. „Es muss viel öfter gelüftet werden“, empfiehlt Eder.

Zu Beginn des Projekts vor zwei Jahren wollten die Wissenschaftler auch wissen, welche Innen- und Außenräume für Schüler erholsam sind. Mittels Video-Tagebuchs am Smartphone sollten die Jugendlichen je vier Erholungsorte und zwei Stressorte definieren. Über 250 Videos wurden gedreht, um darin typische Stress- und Erholungsfaktoren zu ermitteln.

Beliebtester Erholungsort ist meist das eigene Zimmer. An zweiter Stelle fanden sich Parks und Grünräume. Dort kann man allein sein oder Freunde treffen. Drittens dienen Cafés und Pubs, wo auch die Freunde sind, der Erholung. Oberster Stressort war übrigens die Schule. „Manche finden Einkaufszentren stressig, andere entspannen sich dort.“ Auch soziale Medien wie Facebook stressen immer mehr Jugendliche durch das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. (vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2014)

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