Messen, ob die Welt mit Wissenschaft besser wird

Erfolgskontrolle. Damit die Qualität der Forschungsförderung und Technologiepolitik passt, wird sie laufend evaluiert. Förderexperten beraten sich in der Plattform Fteval über die passenden Werkzeuge.

Zollstock - folding rule
Zollstock - folding rule
(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Ein Forschungsprogramm läuft meist über mehrere Jahre. Dabei stellen sich Fragen wie: Wie wirksam war es? Wie wurde das Geld ausgegeben? Wie kann man das Programm künftig weiterentwickeln? Und: Was sollte man vermeiden? Mit diesen Fragen – und vor allem ihren Antworten – befasst sich die Österreichische Plattform für Forschungs- und Technologiepolitikevaluierung (Fteval).

„Es geht darum, wie sich eine nachvollziehbare und unparteiische Betrachtung der Forschungsförderung und der Technologiepolitik organisieren lässt“, sagt Vorstandsmitglied Mario Steyer vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Um Methoden also, die sich für eine Weiterentwicklung der Programme nutzen lassen.

Mitglieder der Plattform sind neben dem Technologie- auch das Wissenschaftsministerium sowie alle zentralen Fördergeber und Organisationen mit Förderexpertise in Österreich. „Es geht darum, alle Akteure einzubinden, egal, ob sie Mittel vergeben oder bekommen“, so Steyer. Damit will man nicht nur ein Bewusstsein für Evaluierungskultur schaffen: „Das war anfangs ein Ziel, als Ende der 1990er-Jahre mehr Geld für Forschung vergeben wurde“, sagt der Ökonom. Heute suche man vielmehr nach den passenden Werkzeugen für die Qualitätssicherung. Diese änderten sich allerdings auch mit den Trends in der Forschungspolitik und im Wissenschaftssystem.

Die Plattform führt selbst keine Evaluierungen durch: Vermittelt werden – unabhängige – Experten, an die Aufträge vergeben werden können. Diese messen dann den Erfolg konkreter Programme. Gewählt wird dabei meist eine Mischung verschiedener Methoden, etwa aus Online-Recherchen, qualitativen Interviews und Fallstudien.

 

Ergebnisse online zugänglich

So geschehen etwa beim Kompetenzzentrenprogramm Comet. Wie gut fördert das Programm die Kooperation zwischen Unis und Unternehmen? Begünstigt es die Entwicklung des Innovationssystems? Bei Comet wurden einzelne Kompetenzzentren als Beispiele herausgegriffen. Analysiert wird, was gut und was weniger gut funktioniert. Dann werden sogenannte Idealtypen gebildet und die Ergebnisse online veröffentlicht.

Der Großteil der Evaluierungen passiert, nachdem eine Förderlinie abgeschlossen ist. Um Bedürfnisse auszuloten, gibt es aber immer wieder auch Evaluierungen im Vorfeld. Bei den Methoden will man auch von europäischen Partnern lernen, zuletzt stand das Forschungsevaluierungssystem in Großbritannien auf dem Programm. Vergleiche mit den USA hält Steyrer aber für schwierig: Dort habe man eine eigene, stark ökonomisch orientierte Herangehensweise. Ob man die Forschung in einem kurzen Zeitraum nur nach ökonomischen Kriterien bewerten könne, hält er für sehr fraglich.

Zu sehen, ob Gelder gut eingesetzt sind, sei aber nicht alleiniger Kern der Aufgabe. „Wir fragen nicht nur, ob die Mittel gut genutzt werden. Es geht stark darum, wie sich aus Erfahrungen lernen lässt, was man also in künftigen Projekten besser machen könnte“, so Steyer. Letztlich wolle man messen, ob sich die Welt mit Wissenschaft, Forschung und Innovation ein Stück weiterbringen lässt.

Mehr:www.fteval.at

LEXIKON

Die Fteval ist die Österreichische Plattform für Forschungs- und Technologiepolitikevaluierung. Sie wurde 2002 gegründet, ihre Mitglieder stammen aus fast allen Bereichen der Forschungslandschaft. Vertreten sind u.a. der Österreichische Wissenschaftsfonds FWF, die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, die Ludwig Boltzmann- sowie die Christian Doppler Forschungsgesellschaft, das Austrian Institute of Technology (AIT), der Rat für Forschungs- und Technologieentwicklung und die Austria Wirtschaftsservice GmbH, AWS.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2015)

Kommentar zu Artikel:

Messen, ob die Welt mit Wissenschaft besser wird

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen