Erbgut dreier Menschen: Mama, Papa und die Spenderin

Eine britische Klinik darf Befruchtungen mit dem Erbgut dreier Menschen vornehmen. Ein Weg, der zur Schaffung von "Designer-Babys" führen könnte, wie Kritiker befürchten.

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(c) imago stock&people (imago stock&people)

Weltweit erstmals hat eine britische Klinik die Erlaubnis für eine umstrittene künstliche Befruchtung mit Genmaterial von drei Menschen bekommen. Die Methode soll bestimmte Erkrankungen, die mit den Mitochondrien vererbt werden, verhindern. Kritiker fürchten allerdings, dass solche Eingriffe den Weg zu "Designer-Babys" ebnen.

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle und liefern Energie. Sie haben eine eigene DNA. Fehlfunktionen der Mitochondrien können unter anderem zu Muskelschwäche und Diabetes führen. Experten der Universität Newcastle hatten die neue Methode entwickelt, bei der die gestörten Zell-Kraftwerke der Mutter durch Mitochondrien einer Spenderin ersetzt werden.

Jedes Kind erbt seine Mitochondrien nur von seiner Mutter. Die Mitochondrien enthalten nicht viele Gene, nur 37, das ist viel weniger als die Zehntausenden in den Zellkernen. Die so erzeugten Kinder werden also Mutter und Vater ähneln.

Die Ärzte dürfen nun insgesamt 25 Patientinnen auf diese Weise behandeln. Die ersten Versuche sollen noch in diesem Frühjahr starten. Bereits im Dezember hatte die Behörde für Befruchtung und Embryologie (HFEA) die Methode in Großbritannien zugelassen. Es ist damit das erste Land weltweit, das diese Behandlung ausdrücklich erlaubt hat.

Medizintechnik wird bei der Fortpflanzung immer wichtiger

In Mexiko war bereits die Geburt eines Kindes mit dem Erbgut von drei Menschen im April 2016 gemeldet worden. Die Gesetze dort erlauben die Verfahren zwar nicht ausdrücklich, verbieten sie aber auch nicht.

Kinder zu zeugen wird immer mehr zu einem medizinisch-technischen Unterfangen: Rund fünf Millionen Menschen sind in den vergangenen 30 Jahren ohne Geschlechtsverkehr gezeugt worden. Glaubt man Experten, wird sich diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten rasant steigern. Wie sehr Reproduktionsmedizin genutzt wird und wie viel Freiheit die Kliniken dabei haben, unterscheidet sich je nach Land sehr stark. England ist traditionell sehr liberal in der Reproduktionsmedizin.

 

(APA/dpa)

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