Bakterien, die von Schwefel leben

Sulfat-Atmer vermindern Ausstoß von Treibhausgas.

Beim Studium ökologischer Zusammenhänge geht ohne Genetik schon lange nichts mehr. So lässt sich beispielsweise die immense Vielfalt von Mikroorganismen in der Umwelt nur durch die Analyse der Erbsubstanz (DNA oder RNA) erfassen – denn nur ein Bruchteil aller Bakterienarten können im Labor kultiviert werden.

Mithilfe solcher genetischen Analysen hat nun eine internationale Forschergruppe mit österreichischer Beteiligung eine Reihe von Schwefelbakterien entdeckt, die der Wissenschaft bisher durch das Raster gerutscht waren. Und wie sich herausstellte, haben diese Mikroben eine wichtige Funktion im Kohlenstoffkreislauf der Welt: Sie können – biochemisch ausgedrückt – mittels Sulfat-Atmung die Bildung von Methan vermindern. Bei diesem Stoffwechselweg wird Sulfat anstelle von Sauerstoff zur Oxidation von Kohlenstoff und damit zur Energiegewinnung genutzt.

Gefunden wurden diese Lebewesen im Mikrobiom eines Moorgebietes im bayerischen Fichtelgebirge. In diesem sauerstoffarmen Milieu bilden viele Mikroorganismen Methangas, das als äußerst potentes Treibhausgas zur Klimaerwärmung beiträgt. Die neu entdeckten Schwefelbakterien stehen mit diesen Lebewesen in einem Wettstreit um Nährstoffe und verhindern dadurch, dass noch weitaus mehr Methan im Moor gebildet wird.


Weit verbreitet

„Wir haben erstmals Acidobacteria-Arten entdeckt, die zusätzlich die genetische Fähigkeit zur Sulfat-Atmung besitzen“, erläutert einer der beteiligten Wiener Mikrobiologen, Bela Hausmann. Der Fund von gleich acht neuen Schwefelbakterienarten zeigt, dass die Fähigkeit zur Sulfat-Atmung viel weiter verbreitet ist, als bislang bekannt. Und der zweite beteiligte Wiener Ökologe, Alexander Loy, ergänzt: „Die Methoden der Mikrobiomforschung ermöglichen faszinierende Einblicke in die Vielfalt und genetische Ausstattung von komplexen Mikrobengemeinschaften in der Umwelt.“ (ku)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2018)

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