Zufall, kurze Wege und der Urknall

Mit „TU ForMath“ wollen Forscher der TU Wien an den Erfolg des „math.space“ anschließen und mehr Menschen für Mathematik begeistern.

APA/AFP/European Southern Observ

Mit den schlechten Zwischenergebnissen bei der Mathematikmatura ist das Fach in der Öffentlichkeit präsent, wenn auch eher negativ. Das missfällt Michael Drmota, Dekan der Fakultät für Mathematik und Geoinformation der TU Wien. Daher hat er beschlossen, das Image seiner Disziplin ins rechte Licht zu rücken: „Mathematik ist weit faszinierender als viele glauben.“ Mit „TU ForMath“ schafft er nun ein neues Format der Wissenschaftskommunikation, das an den erfolgreichen Vorgänger, Rudolf Taschners „math.space“, anknüpfen soll. Dieses wurde im Dezember 2017 nach fünfzehn Jahren beendet, Premiere für Drmotas „TU ForMath“ ist am kommenden Montag.

Die beteiligten Forscher wollen darin einerseits einem breiten Zielpublikum in Abendvorträgen anwendungsorientierte, aber auch gesellschaftsrelevante Themen rund um die Mathematik präsentieren. Diese habe schließlich nicht nur zum naturwissenschaftlichen und technischen Fortschritt der Menschheit wesentlich beigetragen, sondern auch die kulturelle Entwicklung maßgeblich mitgeprägt, so Drmota. Entsprechend breit ist das Angebot. Am Programm stehen etwa „Die Mathematik des Urknalls“, „Die Mathematik des Wählens“, der mathematische Zugang, um schnell von A nach B zu kommen oder die Frage, wie wahrscheinlich der Zufall ist.

 

Bei der Inskription ist es zu spät

Andererseits soll es eine zweite Programmschiene für Schulklassen geben. In einem eigens im Freihaus der TU eingerichteten Vortragsraum geplant sind 90-minütige Workshops, in denen Schüler etwa am Beispiel von Planeten ein Gefühl für Dimensionen bekommen sollen. Mathematik sei vielseitiger als man in der Schule vermitteln könne. Daher müsse man früh beginnen, das Interesse zu wecken: Mit 17 oder 18 Jahren, kurz vor der Inskription, sei es jedenfalls zu spät, so Drmota. Natürlich sollen nicht alle Mathematik oder ein technisches Fach studieren. Auch in Biologie, Medizin oder der Psychologie profitiere man von Mathematikkenntnissen. Diese seien mitunter zwar schwierig zu vermitteln, „aber es lohnt sich“.

Den Auftakt bei der Eröffnungsveranstaltung am Montag, 11. Juni, 16.30 Uhr, im Festsaal der TU Wien (Karlsplatz 13, 1040) bildet ein – frei zugänglicher – Vortrag von Karl Sigmund über „Open Code – Mathematik als Universalsprache“. Diese sei gleich auf zweierlei Art universell: erstens, weil sie überall gesprochen werde, und zweitens, weil sie auf alles anwendbar sei, über das man exakt nachdenken kann.

Worüber bei künftigen Vorträgen gesprochen wird, können Interessierte auch mitbestimmen. Auf der Homepage von „TU ForMath“ haben die Wissenschaftler eine Wunschbox eingerichtet. „Dort kann jeder Themen vorschlagen“, erklärt Drmota.

Web: https://tuformath.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2018)

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