Mit Bewegung an Bewegung denken!

Körperliche Aktivität stärkt auch das Gedächtnis. Aber schon der Wille zu Aktivität fordert dem Gehirn viel ab.

Yoga stärkt das Gedächtnis.
Yoga stärkt das Gedächtnis.
Yoga stärkt das Gedächtnis. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

In den vergangenen Jahren ist ein früher für ganz harmlos gehaltener Gebrauchsgegenstand in den Verdacht geraten, eine Mord- bzw. Selbstmordwaffe zu sein: der Sessel. Das ewige Sitzen lasse den Körper verkommen und den Geist auch, er werde träge und schwach. Diese Botschaft brachte, auch wenn sie im Sitzen gelesen wurde, einiges in Bewegung: Viele Köpfe wurden geschüttelt, weil sie sich daran erinnerten, dass das Erbe der Dichter und Denker nicht im Gehen oder Stehen zu Papier gebracht worden ist.

Ganz so arg kann es mit dem Sitzen also nicht sein. Aber richtig ist natürlich, dass die Menschheit sich mit ihrem Bewegungsmangel keinen guten Dienst erweist. Ihr geringer Energieverbrauch steht zusammen mit überhöhtem Energie-Input – im Extrem: Fast Food und Softdrinks – hinter der „Epidemie der Fettleibigkeit“ (Weltgesundheitsorganisation WHO), die den halben Erdball erfasst hat. Und im Wochentakt kommen Mahnungen bzw. Ermunterungen, zuletzt von Katharina Sunnerhagen (Göteburg), die an Opfern von Hirnschlägen erhoben hat, dass jene milder getroffen wurden, die zumindest eine halbe Stunde am Tag zu Fuß gegangen waren (Neurology, 19. 9.).

 

Yoga, Tai-Chi stärken Gedächtnis

Auf allzu offene Ohren stoßen solche Appelle allerdings nicht, vielleicht liegt es an den Gehirnen, die einfach vergessen, den Körper in Bewegung zu setzen? Man weiß lang schon, dass ein zentraler Spieler der Erinnerung – der Hippocampus – durch Bewegung gefördert wird, unklar bzw. umstritten ist das nötige Maß: Selbst milde Mühen wie die bei Yoga und Tai-Chi reichen, beruhigt nun Kazuya Suwabe (Tsukuba): „Kurze, sehr leichte Übungen verbessern das Gedächtnis“ (Pnas, 24. 9.).

Kann dies in Bewegung setzen? Nicht nur das Fleisch ist schwach, auch der Geist ist nicht willig, und vielleicht steht hinter dem Bewegungsmangel, den wir für ein modernes Phänomen halten, ein uraltes Erbe, das der Jäger und Sammler. Sie sind nicht sehr aktiv, manche nur zwölf bis 19 Stunden in der Woche, sie sparen Energie, wo sie nur können. Diese Tendenz sieht Matthieu Boisgontier (Vancouver) auch bei uns am Werk, er schließt es aus Experimenten, in denen er Probanden anregte, an Bewegung oder Rast auch nur zu denken: Das geht bei Bewegung zwar rascher, aber – bildgebende Verfahren zeigen es – das Gehirn muss dafür mehr Mühe aufwenden (Neuropsychologia, 18. 9.): „Unserem Gehirn ist der Hang zu sesshaftem Verhalten angeboren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2018)

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