Klimawandel und Gesundheit

Kolumne Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit wurde nun erstmals in einer umfassenden Studie dargestellt. Die Lage ist demnach zwar ernst, aber nicht hoffnungslos.

Der Klimawandel ist keine abstrakte Bedrohung mehr, die Auswirkungen sind vielmehr unübersehbar – man denke nur z. B. an das Abschmelzen der Gletscher oder an den heurigen nicht enden wollenden Sommer. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Natur, sondern auch unmittelbar auf uns Menschen. Das Wissen um den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit wurde nun von einer interdisziplinären Gruppe von knapp 90 heimischen Wissenschaftlern im 300 Seiten starken „Österreichischen Special Report Gesundheit, Demografie und Klimawandel“ zusammengefasst – ein europäisches Novum, an dem zwei Jahre gearbeitet wurde. Dabei wurden nicht nur direkte und indirekte Gesundheitseffekte betrachtet, sondern auch die Verletzlichkeit von Gesellschaft und von Individuen infolge des demografischen Wandels (Alterung, Urbanisierung etc.).

Problemfeld Nummer eins ist demnach die Hitze. Die Zahl der Hitzetoten wird sich laut dem Bericht bis zur Jahrhundertmitte auf jährlich rund 3000 mehr als verdoppeln. Von Sommern, die sich in einigen Jahrzehnten im Waldviertel so anfühlen werden wie heute im Seewinkel, sind freilich nicht alle Menschen gleichermaßen bedroht: Es sind vielmehr bestimmte Risikogruppen, die durch die gesellschaftlichen Entwicklungen größer werden – etwa ältere und alleinstehende Personen, denen nur schwer geholfen werden kann.

Die Forscher konstatieren weiters eine stärkere Pollenbelastung und die Ausbreitung neuer allergener Pflanzen – was Atemwegserkrankungen häufiger machen dürfte. Befürchtet wird zudem eine höhere Belastung mit Luftschadstoffen wie etwa Ozon. Überdies gibt es Sorgen wegen der langfristigen Folgen von Extremereignissen (etwa Starkniederschlägen und Dürre) oder der Ausbreitung neuer Krankheiten und Schädlinge (was wiederum eine höhere Pestizidbelastung erwarten lässt).

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Denn es gibt laut den Studienautoren eine Reihe von Maßnahmen, die sowohl in Sachen Klimawandel als auch bei den gesundheitlichen Folgen helfen. Solche „Ko-Benefits“ würden etwa durch ein aktiveres Mobilitätsverhalten der Menschen entstehen: Durch mehr Radfahren sinkt nicht nur der Ausstoß von CO2, sondern auch von Luftschadstoffen. Körperliche Bewegung ist überdies gesund, außerdem würde durch ein Zurückdrängen von Autos mehr Platz in der Stadt für kühlende Maßnahmen wie Grünanlagen oder Wasserflächen frei werden.
Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.

meinung@diepresse.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2018)

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