Ein Baustein im Kampf gegen den Klimawandel

Das Aufforsten von Wäldern ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel. Doch ein Allheilmittel sei es nicht, wird im eben veröffentlichten IPCC-Bericht betont.

Kürzlich kamen, wie auch in dieser Zeitung ausführlich berichtet, Forscher der ETH Zürich zu dem Schluss, dass die derzeitige Waldfläche von rund 5,5Mrd. Hektar um 1,7 Mrd. Hektar ausgeweitet werden könnte, wodurch zwei Drittel der menschengemachten CO2-Emissionen gebunden würden. Das lässt Hoffnung aufkeimen, dass wir die galoppierende Klimaerwärmung vielleicht doch noch in den Griff bekommen könnten.

Allerdings meinen viele Forscher, dass das zu optimistisch gedacht sei. So wird etwa im eben veröffentlichten Spezialbericht des UN-Weltklimarats IPCC zum Thema Landnutzung (www.ipcc.ch) betont, dass man zwei verschiedenen Arten der Aufforstung unterscheiden müsse: auf der einen Seite die Wiederbewaldung („reforestation“) von Flächen, die früher Wälder waren und für die Landwirtschaft gerodet wurden, und auf der anderen Seite die (Erst-)Aufforstung („afforestation“) von Flächen, die historisch keine Wälder waren.

Diese verschiedenen Arten der Aufforstung ziehen unterschiedliche Folgen nach sich. Relativ unproblematisch ist eine Wiederbewaldung mit passenden Baumarten – dadurch können große Mengen CO2 gebunden, positive Effekte auf den Wasserhaushalt sowie die Biodiversität erzielt und kann gleichzeitig Erosion vermindert werden. Ganz anders kann das hingegen bei ehemaligen Grünland-, Trocken- oder Feuchtgebieten sein: Beim Aufforsten könnte aus dem Boden viel CO2 freigesetzt werden. Überdies könnte der Wasserbedarf steigen und damit Grundwasser knapp werden. Und auch die Biodiversität könnte in den neuen Wäldern niedriger sein als in den alten Lebensräumen.

Unabhängig davon zeitigt die Ausweitung von Wäldern eine Reihe von Folgen, die, so die IPCC-Experten, oft übersehen werden: Bäume senken durch ihre meist dunklere Farbe das Reflexionsvermögen der Erdoberfläche („Albedo“), was einen wärmenden Effekt hat. Ähnliches gilt für flüchtige organische Verbindungen (VOC), die von Bäumen emittiert werden. Und: Wachsende Waldflächen stehen in Konkurrenz zu Agrarland, wodurch Lebensmittel teurer werden könnten.

Fazit: Es ist unbestritten, dass Aufforstung ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel ist. Aber wie so oft steckt der Teufel im Detail. Und einmal mehr zeigt sich, dass es die eine Lösung nicht gibt – sondern, dass wir uns auf allen Ebenen anstrengen müssen, damit die Erde ein für uns Menschen lebenswerter Ort bleibt.

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum-Magazins“.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2019)

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