Verbaut, verpatzt, verdreckt

Es ist die pure Misanthropie, der Sibylle Lewitscharoff – Tochter eines bulgarischen Auswanderers – herrliche Seiten und einen Roman abgewinnt, der vor witziger Bosheit nur so funkelt.

Rumen Apostoloff ist ein fescher Bulgare, dessen Aufgabe in dem Roman, der seltsamerweise nach ihm benannt ist, darin besteht, zwei deutsche Schwestern durch das Land ihres schon lange verblichenen Vaters zu chauffieren und der älteren der zwei den Hof zu machen. Sonst hat er rein gar nichts zu vermelden in dem nach ihm betitelten Roman, der aus der sprachmächtigen Suada der jüngeren Schwester besteht, die Bulgarien vom Hintersitz des Autos aus betrachtet und das Leben aus dem Fond mit einer Tirade überzieht, deren kunstvolle Bösartigkeit ihresgleichen sucht. Der Titel ist dem Roman in jeder Hinsicht unangemessen, und hätte man mich gefragt, würde ich stattdessen diesen vorgeschlagen haben: „Thomas Bernhard fährt nach Bulgarien und freut sich, dass alles noch viel mieser ist, als er es sich vorgestellt hat“.

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2009)

Meistgelesen