Jetzt endlich haben wir sie!

Wie man es „den Juden“ einmal so richtig zeigen kann: Unsere Kulturkämpfer mit ihrem Beschneidungsverbot sind Antisemiten reinsten Wassers.

Nicht einmal die Auseinandersetzung um das Aufhängen von Kreuzen in Schulklassen hat eine solche Welle von Kommentaren, Artikeln und Postings verursacht wie die durch das Urteil eines Kölner Gerichts ausgelöste Debatte, ob die Beschneidung von ein paar Tage alten männlichen Säuglingen – nur um diese geht es, wenn im Folgenden von „Beschneidung“ die Rede ist – erlaubt sein soll. Tatsächlich betraf das Kölner Urteil die Zirkumzision eines jungen moslemischen Buben, aber die Debatte hätte mit Sicherheit nie diese Vehemenz erfahren, wäre die im Judentum als fundamental und unverzichtbar geltende Beschneidung nicht zugleich eingeschlossen worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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