Sodom und Camorra

Korruption, Mafia, astronomische Prozessdauern und die Polizei auf verlorenem Posten: Wie kommt es, dass die Italiener mit einer Justiz leben, für die sich ein Land der Dritten Welt schämen würde?

Nach einem Vierteljahrhundert in Italien kann es nicht ausbleiben, dass man – in bescheidenen Kostproben – das Rechtswesen des Landes kennenlernt. Der Autor hat Erfahrungen mit der italienischen Justiz in verschiedenen Rollen gemacht. Als Privatnebenkläger in einem Strafverfahren, nachdem ihn ein rabiater Autofahrer überfiel, mit dem Schlagstock das Autofenster einschlug, das Mobiltelefon zertrampelte und ihn mit dem Umbringen bedrohte. Als Kläger in einem Zivilprozess, als der Nachbar mit einem Schwarzbau zu seinem Schaden die Bauvorschriften missachtete. Und als Beklagter in einem Schadenersatzprozess, den der inzwischen gefeuerte Intendant des Mailänder Opernhauses anstrengte, weil er sich und sein Haus, die Scala, durch eine ironische Glosse der üblen Nachrede ausgesetzt sah. Und vor allem hat er, wie viele Italiener, sich in der Rolle des Resignierten geübt, der weise auf die Ausübung seiner Rechte verzichtet, wenn er beleidigt, angegriffen oder beraubt wird, wenn ein Schuldner spät (Glück gehabt!) oder gar nicht bezahlt.

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