Wenn das Licht ausgeht

Gemütlich sind sie ja, die Klagenfurter Cafés. Hier fühlt man sich noch richtig zu Hause. Auch als mutmaßlicher Kriegsverbrecher. Der Fall des Milivoj Asner ist kein Einzelfall.

Klagenfurter Caféshaben Atmosphäre. Hier fühlt man sich besonders beheimatet, deshalb ist dieser Tage auch Herr Milivoj Asner, mutmaßlicher Kriegsverbrecher in Ruhe, bei Kaffee und Kuchen anzutreffen. Er ist sicher unter Freunden. Der Landeshauptmann begrüßt ihn als friedlichen Bürger der Stadt. An die kroatische Justiz wird der ehemalige Chef der Ustascha-Polizei in Pozega aufgrund psychiatrischer Gutachten nicht ausgeliefert. 2005 sah das vordergründig noch anders aus, da sichtete die österreichische Staatsanwaltschaft Deportationslisten und Befehle. Anklage solle noch in diesem Jahr erhoben werden, stellte der Sprecher des Justizministeriums damals in Aussicht. Allerdings, schränkte er ein, hänge dies auch von der Verjährungsfrist ab und ob Asner direkten Tötungsbefehl gegeben habe. Dann kam das Aus der Anstrengungen der Justiz durch die aktenkundige Demenz Asners. So weit ein von anderen Prozessen bekannter Vorgang. Doch nun, nach einem agilen Interview in der „Sun“ im vergangenen Juni, muss die österreichische Justiz neue Ermittlungen veranlassen. Man tue, was man könne, aber die Hände seien gebunden, und ein Gutachten sei eine Vorgabe in einem Rechtsstaat, das Verfahren laufe. Der Fall ist kein Zufall. Wie unbelehrbare NS-Täter davonkommen, ist ein bekanntes Lehrstück österreichischer Zeitgeschichte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2008)

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