Netter Arier gesucht

Kleine Prosa aus dem Geschlechtsleben: Heiratsanzeigen aus dem Wien der 1930er-Jahre erzählen von Sehnsucht, Begehren, aber auch von Not, Arbeitslosigkeit, politischen Umstürzen – und vom ganz alltäglichen Antisemitismus. Eine Recherche.

Gibt es noch einen Mann, Arier, der nicht nur Geld sucht?“ Die Heiratsannonce, die am 19.Jänner 1934 in der in der Wiener „Illustrierten Wochenpost“ veröffentlicht wurde, kommt schnell zur Sache. „Arier“ soll er sein, der gesuchte Mann, und Geld soll ihm nicht allzu wichtig sein. Weiters müsse er, so heißt es in der Anzeige weiter, „Charakter“ haben, ein „ungemein tiefes Gemüt“, „Aufrichtigkeit“ und eine „sehr häusliche, wirtschaftliche Frau“ schätzen. Die Dame kommt auch auf sich zu sprechen: „Bin 34 Jahre, blond, gesund, vollschlank, sehr sympathische Erscheinung, aus Geschäftshaus, mit liebem, herzensgutem Jungen. Habe komplette Einrichtung, Kleider, Wäsche, im Herbst auch Wohnung.“ Und noch ein letzter Satz zum Heiratskandidaten: „Der Mann kann auch Körperfehler haben.“ Zuschriften erbittet sie an die Administration der Zeitung unter „Nur so wie ich soll er sein“.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2009)

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