Wenn alles Sünde ist

Die öffentliche Debatte über sexuellen Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche greift zu kurz. Die Kirche als Ganzes müsste sich ändern: So ziemlich alles, was sie in den vergangenen Jahrhunderten zum Thema Sexualität von sich gegeben hat, ist obsolet.

Eigentlich dachte man, nach Bekanntwerden des Falls Hans Hermann Groër und dem Outing der Opfer auch anderer Priester wisse man Bescheid über die Dimensionen sexuellen Missbrauchs in Institutionen der katholischen Kirche. Was jetzt in Österreich ans Tageslicht kommt, ist auch für viele Katholizismus-Insider kaum zu fassen. Und in Deutschland: Vom Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten bis zum Benediktinerkloster Ettal in Bayern – der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen scheint „flächendeckend“ vor sich gegangen zu sein; 18 der 27 Bistümer sind mittlerweile betroffen. Auch die Erzdiözese München – und auch zu der Zeit, als der jetzige Papst dort Erzbischof war. Und bei den Regensburger Domspatzen gab es ebenfalls Missbrauchsfälle – zum Teil in der Zeit, als sie vom Bruder des jetzigen Papstes geleitet wurden. Kein Wunder, dass der Vatikan ziemlich schweigsam ist – als es um Irland ging, konnte der Papst noch vollmundige Erklärungen abgeben.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2010)

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