Der Videoreferee als Reals zwölfter Mann

Champions League. Historische Videopremiere beim 2:1 in Amsterdam lässt auch Österreichs Bundesliga hoffen. Tottenham fertigte Dortmund mit 3:0 ab.

Champions League Round of 16 First Leg - Ajax Amsterdam v Real Madrid
Champions League Round of 16 First Leg - Ajax Amsterdam v Real Madrid
REUTERS

Amsterdam. Fußball-Hooligans kennen keine Nachtruhe; zumindest nicht in Amsterdam. Dort brannten Ajax-Ultras für die Stars von Real Madrid mitten in der Nacht eine Pyrotechnik-Show vor dem Okura Hotel in der Ferdinand Bolstraat ab. So wollten sie den „Königlichen“ den Schlaf rauben vor dem Champions-League-Achtelfinalspiel. Zwischen zwei und 03.30 Uhr früh donnerten Böller und Raketen. Die Fußballer lachten, es gab vier Verhaftungen.

Ajax hatte in der Herbstsaison überrascht. Doch der unvermeidliche Ausverkauf im Sommer (De Jong, De Ligt, Neres, Zivech gehen, Wöber ist schon weg) dämpfte die Euphorie jäh. Es herrschte Ungewissheit in der Cruyff-Arena. Doch gegen Real, das trotz einer Achterbahn-Form an den vierten CL-Sieg in Folge glaubt, war von Krisen und Tiefs nichts zu bemerken. Ajax lief, passte – und hatte Pech, Tadic traf nur die Stange (26.).

Real war überrascht, sogar überfordert; das erste Gegentor erwartbar: Tagliafico (37.) traf zum 1:0 für Ajax – und Historisches geschah. Mit dem Start der K. o.-Phase kommt der Videobeweis in der Eliteliga zum Einsatz. Den Madrilenen war es recht: Abseits.

Nach Wiederbeginn hatte Real plötzlich mehr vom Spiel. Das nicht anerkannte Tor schien den Spielfluss der Gastgeber gelähmt zu haben. Real-Stürmer Benzema (48.) scheiterte zuerst, dann gab es für den Franzosen kein Halten mehr. Ideal von Vinicius Junior freigespielt, hämmerte er den Ball in seinem 111. CL-Spiel (67. Tor) ins Kreuzeck, 1:0 (60.). Ziyech gelang das 1:1 (75.), Asensio (86.) aber schoss Real zum 2:1-Sieg. Auch deshalb, weil Keeper Courtois die Ruhe bewahrte und mit seinen Paraden den Erfolg absicherte. Sekunden vor Schluss rettete Courtois bei einer Top-Gelegenheit von Kasper Dolberg.

Österreichs Bundesliga drückt übrigens Real die Daumen. Denn im Ringen um den elften Platz in der Uefa-Fünfjahreswertung ist Oranje – nur noch vertreten durch Ajax – der letzte Konkurrent für den Fixplatz in der Champions League 2020/21. Je mehr Punkte für Real, desto besser für die Bundesliga. Jetzt liegt der Ball bei Salzburg und Rapid, mindestens ein Sieg ist nun zwingend nötig.

Tottenham war einfach zu stark

Auch Tottenham machte im Finish alles klar. Davor hatten beide Teams in einer ausgeglichenen ersten Hälfte Chancen vorgefunden, die Gastgeber bei einem knappen Fehlschuss von Lucas Moura (7.), die Deutschen bei von Keeper Hugo Lloris parierten Versuchen durch Christian Pulisic (15.) und Dan-Axel Zagadou (45.).

Die Führung der Londoner folgte kurz nach der Pause, als Son eine Maßflanke von Jan Vertonghen volley versenkte (47.). Danach wurde offensichtlich, dass Tottenham das Fehlen von Harry Kane und Dele Alli besser verkraften konnte als der BVB die Abwesenheit von Marco Reus. Die Spurs ließen in der Defensive nichts mehr anbrennen und dürfen dank der späten Treffer von Vertonghen (83.) und Fernando Llorente (86.) schon mit dem Viertelfinale planen. Die Dortmunder hingegen sind schon seit vier Partien sieglos.

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