Wenn der Druck steigt – Bayerns Mission wird immer komplizierter

Vor den entscheidenden Wochen der Saison hat Bayern München sportlich ein besorgniserregendes Bild abgegeben. Dortmund droht zu enteilen.

Wendell jubelt für Leverkusen, die Bayern sind geschlagen.
Wendell jubelt für Leverkusen, die Bayern sind geschlagen.
Wendell jubelt für Leverkusen, die Bayern sind geschlagen. – (c) APA/AFP/PATRIK STOLLARZ (PATRIK STOLLARZ)

Leverkusen/Wien. „Jeder weiß, dass die Meisterschaft in der Defensive entschieden wird. Vorne werden nur die Spiele gewonnen", sagte Bayern-Trainer Niko Kovač nach dem 1:3 bei Bayer Leverkusen. Während Kovač Klartext redete, verließen die ansonsten selten um einen Kommentar verlegenen Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge am Samstag wortlos das Stadion.

Der Ex-Profi Kovač lieferte mit der Kritik an der Einstellung seiner Stars, die eine 1:0-Führung in der zweiten Halbzeit leichtfertig aus den Händen gaben, düstere Prognosen für den Kampf um Titel. In den nächsten zweieinhalb Wochen stehen für die Münchner Spiele mit entscheidendem oder vorentscheidendem Charakter an. Am Mittwoch das Pokalachtelfinale bei Hertha BSC, am 19. Februar in der Champions League das Achtelfinalhinspiel beim FC Liverpool.

Zwischen diesen Spielen ist das Team in der Bundesliga gefordert. Denn der Meister hat durch die erste Pleite nach zuvor sieben Siegen nunmehr sieben Zähler Rückstand auf Herbstmeister Borussia Dortmund und wurde von Borussia Mönchengladbach auf Rang drei verdrängt. Die Zeiten eines bayrischen Alleingangs, diese sind endgültig vorbei. Am Sonntag sorgte immerhin die Rückkehr von Kapitän Manuel Neuer sowie der zuvor angeschlagenen Thiago, Arjen Robben und Franck Ribéry ins Mannschaftstraining für positive Nachrichten.

 

Die Kritik des Trainers

„Du kannst es dir nicht erlauben, drei Gegentreffer zu kassieren, um dann noch den Anspruch zu haben, in Leverkusen zu gewinnen", erklärte Kovač mit großer Sachlichkeit und forderte: „Daran müssen wir arbeiten. Nach vorne hat die Mannschaft sehr große Qualitäten. Aber wir müssen nach hinten den Laden zumachen." Thomas Müller sprach von einem Spiel, das „wild und zerfahren" gewesen sei. Und Sportdirektor Hasan Salihamidžić ärgerte sich darüber, dass man sich „den Schneid" habe abkaufen lassen. Immerhin Leon Goretzka brachte die Bayern nach einer guten ersten Hälfte mit seinem vierten Rückrundentreffer verdient in Führung (41.), doch Tore von Leon Bailey (53.), Kevin Volland (63.) und Lucas Alario (87.) drehten dieses Spiel noch.

„Wir waren zu fahrlässig. Nach dem Motto: Okay, das werden die Jungs hinten schon meistern", kritisierte Kovač, der auch mit der starken Leistung von ÖFB-Teamspieler Julian Baumgartlinger, der kurz vor der Pause ins Spiel kam, haderte. „Ich glaube schon, dass uns das besser gefallen hätte, wenn Baumgartlinger nicht gekommen wäre."

Der Mittelfeld-Abräumer betrieb gegen die Bayern Werbung in eigener Sache, sie ist durchaus vonnöten. Denn Baumgartlinger hatte unter Trainer Peter Bosz bislang nicht das beste Standing. Nachdem er unter Bosz-Vorgänger Heiko Herrlich die beiden letzten Spiele 2018 noch als Kapitän durchgespielt hatte, wurde der 31-Jährige vom Niederländer in zwei von drei Spielen nur eingewechselt. Teamkollege Aleksandar Dragović steht ohnehin am Abstellgleis, er kam noch gar nicht zum Einsatz. Das ist auch für ÖFB-Teamchef Franco Foda eine besorgniserregende Momentaufnahme.

Durch die Niederlage der Bayern gewann das 1:1-Unentschieden der Dortmunder in Frankfurt an Gewicht. Der Vorsprung der Borussen auf die Münchner beträgt nun bereits sieben Punkte – ein guter Polster, bewies der BVB doch einmal mehr, wie schwer er zu schlagen ist. „Wir wollten unbedingt gewinnen, müssen aber das 1:1 akzeptieren", befand Trainer Lucien Favre trocken.

 

Tiefstapelei

Auch wenn man sich der Favoritenrolle im Kampf um den Titel langsam nicht mehr entziehen kann, so versuchen Favre und Co. die Erwartungen in Richtung neunter deutscher Meisterschaft nicht gen Himmel wachsen zu lassen. Von Woche zu Woche wird die Tabelle relativiert, der Abstand auf die Jäger klein geredet und auf den frühen Zeitpunkt („Es ist der 20. Spieltag") der Saison hingewiesen. Den nächsten Schritt können die Dortmunder am Samstag gegen Hoffenheim machen, Bayern empfängt die zwölftplatzierten Schalker. (age/red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2019)

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