Lask: Vom Problemfall zum Erfolgsmodell

Schwierige Jahre liegen hinter dem Lask, nun erstrahlt die Zukunft umso rosiger. Einen maßgeblichen Beitrag leistet Vizepräsident Jürgen Werner, er hat selbst wieder Spaß gefunden.

Beim Traditionsverein weiß man, was man an Jürgen Werner hat.
Beim Traditionsverein weiß man, was man an Jürgen Werner hat.
Beim Traditionsverein weiß man, was man an Jürgen Werner hat. – (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Mathias Mandl)

Linz. Inzwischen wird Jürgen Werner von Lask-Präsident Siegmund Gruber liebevoll als „Mastermind“ bezeichnet. Doch seine Doppelrolle als Spielervermittler und Berater des Vizemeisters hat Jürgen Werner in der Vergangenheit viel Kritik eingebracht. Inzwischen aber hat der 57-Jährige seine Firma verkauft, amtiert als Vizepräsident der Linzer und sieht rosige Zeiten am Horizont. Sogar richtig Spaß am Zuschauen hat er wieder.

Beim Traditionsverein weiß man, was man am elffachen österreichischen Teamspieler hat. Der kickte einst zwar beim Lokalrivalen Voest, dient nun aber dem Lask. „Ich habe mich reinreißen lassen und operativ weit mehr gemacht als geplant“, erinnerte sich Werner an das Jahr 2013 zurück. Die „Freunde des Lask“ übernahmen damals das Geschick des darniederliegenden „Stolz von Oberösterreich“ und baten den Welser um Unterstützung. Das habe einen Nerv getroffen. Werner habe das „Obergscheiterl spielen“ wollen. „Ich wollte beweisen, dass ich mich auskenne. Und nicht mehr junge Spieler betreuen, da sehe ich mich in meinem Alter nicht mehr.“

Schritt für Schritt hat Werner die Tätigkeiten für die von ihm zur Jahrtausendwende gegründete Beratungsagentur Stars & Friends zurückgeschraubt, ehe er seine Anteile im Frühjahr 2019 an den zweitgrößten Aktionär, den Slowaken Karol Csonto, verkaufte. Einer der Vorteile des neuen Jobs: „Ein hohes Maß an Emotionalität, das hast du als Spielerberater nicht. Jetzt fiebere ich wieder mit.“

Werner bringt freilich auch die Nüchternheit mit, dank derer er seine ehemalige Firma zu einem weltweit agierenden Unternehmen ausbauen konnte. Bereits neben seiner aktiven Karriere begann er ein später abgeschlossenes Studium der Betriebswirtschaft. In den frühen Neunzigern verdingte er sich als Hallenkicker bei den Los Angeles Aztecs, damals Tochterunternehmen des Basketballgiganten Lakers. „Wir waren die Pausentrottel, wenn die Lakers auswärts gespielt haben“, erinnerte er sich. Positiver Nebeneffekt: „Da gab es die große Möglichkeit, dass ich beim Marketing reinschau.“

Die Erfahrungen nahm Werner mit zum FC Linz, den er von 1993 bis 1997 managte, auch am Konzept „Bundesliga 2000“ war er beteiligt. Das sah ganz nach US-Vorbild eine geschlossene Profiliga ohne Auf- und Abstieg vor, Werner hält bis heute daran fest. 20 Jahre später profitiert nun der Lask von seinem umfangreichen Know-how. Dass man im Sommer durch die Abgänge von Trainer Oliver Glasner sowie einigen Spielern über sechs Millionen Euro eingenommen hat, hat auch mit Werner zu tun. Das Geld sei „ein richtiger Segen“, sagte er unumwunden.

Der Spielraum hat sich also erweitert, frühzeitige Vertragsverlängerungen werden nun leichter. Angebote aus der zweiten deutschen Liga etwa muss man nicht mehr fürchten. „Mit ,unechten‘ Zweitligisten wie dem HSV oder Stuttgart können wir nicht mithalten, mit den anderen aber schon.“ Das Scouting sei vorerst „von der Agentur abgedeckt, wir versuchen aber, etwas aufzubauen“, sagt Werner, der Wert darauf legt, als Berater des Lask „nie einen Cent Provision verlangt“ zu haben.

Werner blickt höchst optimistisch in die Zukunft. „Wenn wir das mit dem Stadion hinkriegen und in Sachen Budget in die Sphären von Sturm Graz kommen, dann sind wir aus den Top sechs nur schwer rauszubringen“, kündigte er an. Die in den vergangenen 20 Jahren leidgeplagten Fans dürfen sich entspannen. „Wir haben nicht die Weisheit mit den Löffeln gefressen, es wird einmal passieren, dass man Siebenter wird. Aber es wird nicht mehr passieren, dass wir am Abgrund stehen.“ (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2019)

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