Tore sind des Müllers Lust

Fussball-WM Thomas Müller, 28, ist einer der Leistungsträger im DFB-Team. Unorthodoxe Schleichwege, bayrischer Schmäh – und Tore helfen.

Thomas Müllers Antritt ist unwiderstehlich, sein Torinstinkt grandios – er ist Deutschlands Stimmungsmacher.
Thomas Müllers Antritt ist unwiderstehlich, sein Torinstinkt grandios – er ist Deutschlands Stimmungsmacher.
Thomas Müllers Antritt ist unwiderstehlich, sein Torinstinkt grandios – er ist Deutschlands Stimmungsmacher. – REUTERS

Moskau. Als Thomas Müller den Trainingsplatz betritt, zirkelt der Bayern-Star den Ball aus rund 16 Metern mit viel Feingefühl ins leere Tor. Die spielerische Leichtigkeit fehlt dem 28-Jährigen bislang allerdings noch in der WM-Vorbereitung. Wie auf Knopfdruck soll er sich aber zum Auftakt am Sonntag gegen Mexiko „einstellen“, sagt Teamchef Joachim Löw. Einstellen auf was? Tore natürlich.

Nach zehn Treffern bei den WM-Turnieren 2010 und 2014 will Müller beweisen, dass die Fußballformel „WM-Jahre sind Müller-Jahre“ auch 2018 gültig ist. Verbissen rang er also am Donnerstag in Watutinki, im Trainingscamp der Deutschen, bei Lauf- und Fitnessübungen um seine Form.

WM-Auftaktspiele sind Müllers Spezialität. Bei seinem Turnierdebüt 2010 in Südafrika glückte beim 4:0 gegen Australien auf Anhieb ein Treffer. Beim 4:0 gegen Portugal vor vier Jahren sorgte der Bayern-Star mit drei Toren für den furiosen WM-Lauf der DFB-Auswahl bis zum Finaltriumph in Rio. „2010 war ich ein Baustein. Jetzt bin ich auch ein Baustein, aber einer, der sich noch mehr Gedanken macht“, sagte der gereifte Fußballer über seine Rolle.

 

„Typen wie er sind selten“

Torschützenkönig 2010 mit fünf Müller-Toren, Weltmeister 2014 mit fünf Müller-Toren – was geschieht jetzt? Viel hängt erneut von ihm ab. Der Offensivspieler ist nicht nur auf dem Platz ein verlässlicher Leistungsträger, sondern auch abseits des Rasens die wichtige Integrationsfigur im Team. Löw vertraut seinen Worten.

„Er ist als Person gewachsen, bringt sich als Führungspersönlichkeit ein. Es ist schön, wie er schwierige Situationen aufzulockern weiß“, erzählt DFB-Manager Oliver Bierhoff. Der Ex-Salzburger grinst. „Müller hat das Talent, zu lachen und einen Spruch zu bringen und trotzdem den Fokus beizubehalten. Typen wie ihn findet man wirklich nicht so leicht.“

Mit zehn WM-Toren ist Müller vor seinem Münchner Klubkollegen James Rodríguez (sechs Treffer) die Nummer eins aller WM-Starter in Russland. Die Bestmarke von 16 Treffern (Miroslav Klose) könnte in Russland vom 28-Jährigen geknackt werden.

Jeweils fünf Tore und drei Assists glückten Müller 2010 und 2014. „Ich hätte nichts dagegen, wenn es 2018 wieder fünf Tore und drei Assists werden“, sagte der Angreifer, der in 91 Länderspielen 38 Treffer erzielte. Seine unorthodoxen Lauf- und Schleichwege auf dem Platz helfen ihm immer. Für Gegner sind sie unberechenbar.

Mit 28 ist Müller im besten Fußballalter. Er gehört zur „Goldenen Generation“ um Özil, Hummels, Boateng oder Kroos. Bei der Nachfrage, ob er nach einem möglichen zweiten WM-Titel satt sein und seine Teamkarriere beenden könnte, musste er laut lachen. „Ich hätte eigentlich kein Problem damit, nach meinem zweiten WM-Titel satt zu sein.“ (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2018)

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