Drittes Turnier, erster Sieg: Golfer Tom Lewis überrascht

Er hat Probleme beim Lesen und Schreiben, doch die Sprache Golf beherrscht Tom Lewis perfekt. Der 20-jährige verdrängte bei den Portugal Masters Stars wie Martin Kaymer und Padraig Harrington von der Spitze.

(c) REUTERS (JOSE MANUEL RIBEIRO)

Vilamoura/Wien. Tom Lewis ist ein wenig zu alt, um noch als Wunderkind durchzugehen. Doch eines ist der 20-jährige Engländer auf jeden Fall: der Aufsteiger des Jahres in der europäischen Golfszene. Er gewann am Wochenende das mit 2,5 Millionen Euro dotierte Portugal Masters. Das Außergewöhnliche daran: Der erste Turniersieg gelang ihm bei seinem erst dritten Antreten bei den Profis. Tiger Woods, die ehemalige Nummer eins aus den USA, benötigte fünf Turniere, ehe er seinen ersten Sieg feierte.
Dass der Sieg so bald gekommen sei, überrasche ihn, sagte Lewis in Vilamoura, „schließlich waren sehr gute Spieler hier.“ Mit eine 65er-Schlussrunde hatte er Stars wie den Deutschen Martin Kaymer und den Iren Padraig Harrington klar hinter sich gelassen.
Erträumt hatte er diesen Erfolg aber schon vor Jahren. Als er noch zur Schule ging. Bis er 16 Jahre alt war, quälte er sich mit Lesen und Schreiben. Dyslexie, eine Lernschwäche, hatte es ihm unmöglich gemacht, bestimmte Worte zu erfassen und wiederzugeben. „Ich habe die Schule nicht gemocht“, sagt Lewis, „und war froh, mit 16 abgehen und mich ganz auf Golf konzentrieren zu können.“ Angebote, in ein US-College zu wechseln, schlug er aus. Obwohl man ihm angetragen hatte, Tests und Arbeiten für ihn zu schreiben. Das wollte Lewis nicht. Er stehe zu seiner Englisch-Schwäche, meinte er.
Die Sprache Golf aber beherrscht Lewis. Mit seinem Vater Bryan, der früher selbst Golfprofi war, perfektionierte er sein Spiel. Erst vor einem Monat war Tom Lewis ins Profilager gewechselt: Bei seinem Debüt, den Austrian Open in Atzenbrugg, wurde er auf Anhieb Zehnter. Davor hatte er im Sommer aufgezeigt, als er bei den British Open zwischenzeitlich geführt hatte und als bester Amateur seit 43 Jahren 30. geworden war.
Vor dem Turnier hatte Lewis noch damit gerechnet, die Spielberechtigung für die höchste europäische Golfliga bei der Tourschool erspielen zu müssen. Seit Sonntag hält er eine Tourkarte für zwei Jahre in Händen – und einen Scheck über 416.660 Euro. „Willkommen auf der European Tour“, sagte George O'Grady bei der Siegerehrung. Der Chef der Tour weiß, welchen Werbe- und Imagewert junge Senkrechtstarter für den Golfsport haben.
Übrigens: Die Österreicher Bernd Wiesberger und Martin Wiegele wurden ex aequo 52. und kassierten je 9250 Euro.

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