Kletterer Jakob Schubert wählt direkte Route zu Olympia

Bei der WM in Japan werden die ersten Tickets für die Olympia-Premiere 2020 vergeben. Weltmeister Schubert geht schon jetzt aufs Ganze.

IFSC Climbing World Championships
IFSC Climbing World Championships
Österreichs Dreichfach-Weltmeister Jakob Schubert – EPA-EFE-EXPA

Tokio/Wien. Mit der Weltmeisterschaft in Innsbruck hat der Kletterboom in Österreich vor knapp einem Jahr ein absolutes Hoch erreicht. 60.000 Zuschauer feierten die Goldmedaillen der Lokalmatadore Jessica Pilz und Jakob Schubert. Die Erfolge haben Appetit auf mehr gemacht, zumal Klettern bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio seinen Premiere feiert. Schubert und Co. könnten die schmachvolle Olympia-Bilanz der heimischen Sommersportler – eine Medaille in London 2012 und Rio 2016 – deutlich verbessern.

 

Bei der gestern gestarteten Kletter-WM in Hachioji, eine knappe U-Bahn-Stunde von der japanischen Hauptstadt Tokio entfernt, werden bei Damen und Herren die jeweils ersten sieben Olympiatickets vergeben. Insgesamt gibt es pro Geschlecht nur 20 Startplätze, entsprechend eng wird der Kampf.

Für das Olympiaprogramm wurde vom Weltverband IFSC ein Kompromiss geschaffen: Der der Kombinationsbewerb „Olympic Combined“, bestehend aus Bouldern, Vorstieg und dem ungeliebten Speed. Nicht alle Athleten waren mit der Kombination glücklich, doch der Weltverband wollte keine Disziplin bevorzugen. Erstmals wurde dieser Bewerb dann im Vorjahr in Innsbruck ausgetragen – und Lokalmatador Jakob Schubert gewann auf Anhieb.

„Das Allerwichtigste“

Wie damals zählt Österreichs Aushängeschild auch heuer in Tokio zu den absoluten WM-Favoriten, vor allem in seiner Paradedisziplin Vorstieg (offiziell Lead). Dabei gilt es, innerhalb eines Zeitlimits zwei verschiedene Routen zu bewältigen. Wer am höchsten kommt, hat gewonnen. Doch für Schubert liegt die Priorität schon jetzt eindeutig auf der Kombination. „Die direkte Qualifikation für Olympia ist für mich das Allerwichtigste“, sagt der dreifache Weltmeister. Alles andere wäre eine Enttäuschung.

Der 28-Jährige hat sogar den letzten Vorstieg-Weltcupbewerb ausgelassen um noch mehr Zeit für die WM-Vorbereitung zu haben. Dafür wurden im Kletterzentrum Innsbruck, für ihn die „wahrscheinlich beste Halle der Welt“, noch einmal neue Routen und Boulder gebaut, um das Training in allen Disziplinen optimal zu gestalten. Seit einer Woche akklimatisiert sich Schubert nun bereits vor Ort in Japan.

Neben dem Innsbrucker gehören fünf Damen zum WM-Aufgebot des heimischen Kletterverbandes. Angeführt von Vorstieg-Weltmeisterin Jessica Pilz kämpfen Katharina Posch, Christine Schranz, Johanna Färber und Youth-Olympic-Games-Goldmedaillengewinnerin Sandra Lettner um WM-Medaillen. Pilz und die 17-jährige Lettner auch um Olympia-Tickets.

Bereits zum WM-Auftakt musste das österreichische Team aber einen Rückschlag hinnehmen. Überraschend schafften weder Pilz noch Lettner und Färber den Aufstieg ins Halbfinale des Boulder-Bewerbs. Beim seilfreien Klettern in Absprunghöhe ist innerhalb von fünf Minuten eine bestimmte Anzahl von kurzen Routen in möglichst wenig Versuchen zu durchklettern.

„Ich bin natürlich nicht zufrieden“, meinte Pilz, die sich aber bereits auf die nächsten Bewerbe fokussiert. Die 22-jährige Vorstieg-Spezialistin hat nach wie vor Edelmetall und die Olympia-Qualifikation im Visier. Pilz weiß aber, dass der Erfolgsdruck nach den zwei WM-Medaillen 2018 (Gold und Bronze) nicht geringer wird. „Der Podestplatz beim Weltcup in Chamonix und die letzten Trainingswochen stimmen mich aber sehr zuversichtlich“, sagt die Niederösterreicherin.

Teamkollegin Lettner, die mit 14 Jahren ihre oberösterreichische Heimat verlassen hat, um ins Sport-BORG nach Innsbruck zu wechseln, will die WM weiterhin auf sich zukommen lassen. „Ich versuche ohne großen Druck zu klettern,“ sagt die Junioren-Weltmeisterin von 2017.

Klettern in der Hitze

Während es bei der elftägigen WM in der „Esforta Arena“ in Hachioji ab Dienstag in den ersten Final-Wettkämpfen um Medaillen geht, stehen die letzten vier Tage ganz im Zeichen von Olympia-Tickets. Ab Sonntag stehen die Qualifikationen und Finals im Olympic Combined auf dem Programm. Die Platzierungen der drei Einzelbewerbe werden multipliziert, die 20 Besten kämpfen dann im Combined um den Einzug ins Finale der besten Acht. Wie schwierig die Olympiateilnahme sein wird, zeigt die Tatsache, dass also selbst ein WM-Finaleinzug noch keine der ersten sieben Tickets für Tokio 2020 garantiert.

Noch wird bei der WM in der Halle geklettert. Bei Olympia werden die 40 qualifizierten Athleten dann im japanischen Hochsommer unter freiem Himmel um Medaillen klettern, was auch für Kritik gesorgt hat. Denn kommt zu Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit – beides ohnehin schon Gift für die geschundene Haut an den Fingern der Kletterer – auch noch Wind hinzu, sind möglichst gleichmäßige Wettkampfbedingungen äußerst fraglich.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2019)

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