"Crocodile Trophy": Ein Tombola-Los als Fahrkarte ins Outback

Bei der 25. Auflage des Mountainbike-Klassikers ist Angelika Tazreiter erstmals dabei. „Ich kenne nichts, weder Untergrund, Wetter noch Essen“, sagt sie im Gespräch mit der „Presse“.

Crocodile Trophy (Archivbild).
Crocodile Trophy (Archivbild).
Crocodile Trophy (Archivbild). – (c) GEPA pictures (GEPA pictures)

Wien. Im Gegensatz zum Elefantengetröte beim ORF-„Sommergespräch“ waren Vogelgezwitscher und Affenlaute am Dienstag real. Anlässlich der 25. Jubiläumsauflage der Crocodile Trophy, des wohl abenteuerlichsten Mountainbike-Etappenrennens der Welt, lud Gründer Gerhard Schönbacher passenderweise in den Krokipark im Wiener Haus des Meeres. Der hier lebende Sunda-Gavial ist zwar in Australien, dem Austragungsort, nicht heimisch, blieb ob des Trubels trotzdem unbeeindruckt.

„Ich bin Radfahrerin und so viele Tiere nicht gewohnt“, sagt hingegen Angelika Tazreiter zur lebhaften und tropisch schwülen Umgebung. „Die WM in Innsbruck war im Gegensatz dazu steril.“ Die 32-Jährige ist Vize-Staatsmeisterin auf der Straße, hauptsächlich aber im Mountainbike-Marathon unterwegs und wird bei der diesjährigen Crocodile Trophy (Start 12. Oktober in Cairns) ihr Debüt geben – aus purem Zufall. Nachdem sie im Juni die Alpentour-Trophy als Dritte beendet hatte, verfolgte sie mit Freunden die Tombola, als plötzlich ihr Name aufgerufen wurde. „Noch nie habe ich davor etwas gewonnen“, erinnert sich Tazreiter an den Moment, als ihr das Los den Startplatz beschert hatte. Der nächste Gedanke: „Ich muss das mit der Arbeit klären.“

Für knapp drei Wochen wird die Produktionsleiterin nun also nach Australien reisen und auf acht Etappen über 695 km (13.000 Höhenmeter) das australische Outback erkunden. Die größte Herausforderung? „Ich kenne nichts, weder Untergrund, Wetter noch Essen“, sagt sie im Gespräch mit der „Presse“. „Das gibt mir mehr zu denken als der Körper oder Kopf.“ Als weiteres Fragezeichen erachtet sie das Campen, das das Abenteuer dieses Etappenrennens ebenso elementar ausmacht. „Das habe ich das letzte Mal zu Studienzeiten gemacht“, erklärt Tazreiter, die nach einer Wettkampfpause erst noch eine Straßenrundfahrt bestreiten wird. Die Vorfreude auf Australien ist groß. „Es ist der Reiz, das andere kennenzulernen.“

Extremradler Wolfgang Fasching, Organistor Gerhard Schönbacher und Angelika Tazreiter (v. l.)
Extremradler Wolfgang Fasching, Organistor Gerhard Schönbacher und Angelika Tazreiter (v. l.)
Extremradler Wolfgang Fasching, Organistor Gerhard Schönbacher und Angelika Tazreiter (v. l.) – (c) Regina Stanger

Schönbachers Abenteuer

Organisator Schönbacher hat seit der Premiere 1995 indes bereits mit Herausforderungen und Tücken aller Art zu tun gehabt. Krokodilwarnungen, Trinkwasserknappheit oder überflutete Camping-Areale hat er allesamt schon gemanagt, Unruhe bereiten ihm heute vorrangig verirrte Teilnehmer. Genug Schlaf bekommt der 65-Jährige trotzdem, denn die Logistik ist bereits Routine. „Ich habe viele gute lokale Leute in der Organisation“, erklärt Schönbacher. Eigentlich war das Rennen einst in Vietnam geplant gewesen, doch die „kommunistische Bürokratie“ führte ihn nach Down Under. Dass sich das Event bis heute samt ursprünglichem Charakter gehalten hat, hätte er damals jedoch „nie gedacht“.

Eine Premiere hat die 25. Auflage aber auch für Schönbacher parat: Erstmals wagt sich der Exprofi, der 1979 und 1980 als Letzter der Tour de France Berühmtheit erlangte, selbst aufs Mountainbike. „Ich habe drei Monate trainiert, um die leichteste Etappe mitzufahren“, scherzt der Steirer. Wie lange Schönbacher die Crocodile Trophy noch selbst organisieren will? Das wird er sich nach der Zielankunft am 19. Oktober überlegen. (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2019)

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