Riccardo Ricco: Fast ins Grab gedopt

Der Sieger der Österreich-Rundfahrt 2010 hat mit einer selbstdurchgeführten Eigenbluttransfusion sein Leben aufs Spiel gesetzt. Der italienische Verband fordert nun eine lebenslange Sperre für den Wiederholungstäter.

Riccardo Ricco
Riccardo Ricco
Riccardo Ricco – (c) AP (Kerstin Joensson)

Rom. Es ist keine Neuigkeit, dass eine Dopingsperre viele Radprofis nicht davon abhält, ihre Leistung auch nach ihrer Rückkehr wieder mit illegalen Mitteln zu pushen. Aber am Beispiel Riccardo Ricco wird klar, wie sehr die Doping-Mentalität immer noch im Radsport verankert ist. Der Italiener, Sieger der Österreich-Radrundfahrt 2010, war am Sonntag beim Training kollabiert und musste mit "Funktionsstörungen der Nieren und Lungen" in ein Krankenhaus in Modena eingeliefert worden.

Zuerst war nicht bekannt, was seinen "kritischen Gesundheitszustand" hervorgerufen hatte, seit Dienstagabend herrscht aber Klarheit. Laut "Gazzetta dello Sport" hat der 27-Jährige im Spittal gestanden, "an sich selbst eine Transfusion von Blut vorgenommen zu haben, das er 25 Tage im Kühlschrank gelagert hatte." So zitierte die Zeitung einen behandelnden Arzt Riccos. Unter Schock habe Ricco vor dem Mediziner, der Erste-Hilfe-Maßnahmen vornahm, und seiner Freundin von dem Vorfall erzählt. Wie der Arzt berichtete, hatte der Radprofi Angst wegen der "schlechten Aufbewahrung des Blutes, das er sich refundiert hatte".

Ricco setzte Leben wissentlich aufs Spiel

Ricco, dem der Sieg bei der Ö-Tour für 2011 einen Vertrag beim Team Vacansoleil eingebracht hatte, habe wissentlich sein Leben aufs Spiel gesetzt, sagte eine anonyme Quelle gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Er riskierte, das Licht des nächsten Tages nicht zu sehen."

Ricco droht nun eine lebenslange Sperre ebenso wie eine dreijährige Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft Modena hat schon Ermittlungen eingeleitet und Renato di Rocco, der Präsident des italienischen Radsportverbandes FCI, fordert ebenfalls eine endgültige Sperre: "Es gibt keine Entschuldigung: Für sein Wohl, für seine Familie und für den ganzen Radsport muss Ricco seine Karriere endgültig aufgeben. Er muss einen Ausweg aus dem perversen Tunnel finden, in dem er steckt. Er muss sich selbst als Mensch wiederfinden."

Ricco, der Wiederholungstäter

Es ist nicht das erste Mal das Ricco in Sachen Doping auffällt. Dem Italiener wurde 2008 als Gesamt-Zweitem der Tour de France Doping mit dem EPO-Derivat CERA nachgewiesen worden. Im März 2010 kehrte er nach 20-monatiger Sperre zurück. Damals spuckte er große Töne: "Ich habe einen Fehler gemacht, aber das ist Verangenheit, jetzt gibt es den neuen Riccardo Ricco."

Ricco ist offenbar nicht lernfähig, die Sperre hatte kein Umdenken bei dem 27-Jährigen provoziert. "Trotz seiner 20-monatigen Sperre hat er weiterhin mit Doping sein Leben riskiert und das ist erschütternd. Die Bitterkeit ist groß und muss uns anregen, über die Krise der Werte nachzudenken. Wir stehen vor einem innerlich kranken Mann, der von falschen Werten wie Erfolg um jeden Preis vergiftet ist. Er hat den Sinn für die Realität verloren", erklärte FCI-Präsident di Rocco.

(ag.)

Kommentar zu Artikel:

Riccardo Ricco: Fast ins Grab gedopt

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen