Hinter Klostermauern auf Pašman

Auf der dünn besiedelten Insel Pašman befindet sich ein kleines Benediktinerkloster. Dort spielt Zeit keine Rolle, die altslawische Sprache Glagoliza hingegen schon.

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(c) Teresa Zötl

Klostermauern haben eine eigene Magie. Vor allem, wenn sich das dazugehörige Kloster auf einem gut sichtbaren Berg befindet und man schon von weitem rätselt, was sich wohl dahinter verbergen mag. Besucht man die relativ große und dünn besiedelte Insel PaŠman mit der Fähre, sticht bereits beim Hafen in Biograd das Kloster der Benediktinermönche auf dem Berg Cokovac ins Auge.
Nach einer kurzen Autofahrt ist man am gleichnamigen Kloster angelangt. Vor dem Tor hängt eine Glocke an einer langen Schnur. Ein freundlicher Priester öffnet mit seeliger Ruhe. Priester Jozo führt durch sein Reich. Mit sieben Mönchen lebt er hier in vollkommener Abgeschiedenheit. Der Rasen ist – im Gegensatz zu dem wilden Gestrüpp vor der Türe – perfekt gepflegt. An den Klostermauern wachsen Kapern, im Beet ziehen die Mönche Kräuter. „Früher haben wir auch Gemüse angebaut, das hat aber nicht für alle gereicht. Außerdem geht die Ästhetik vor“, sagt Jozo.

Das Kloster blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im sechsten Jahrhundert gab es dort eine Kirche, im zwölften Jahrhundert haben sich hier die Benediktiner angesiedelt. Das Gebäude weist auf die unterschiedlichen Bauepochen hin: Die eine Hälfte der Kirche ist romanisch, die Fassade gotisch und in der kleinen, innen spärlich eingerichteten Kirche hängen lediglich zwei Barock-Engerl.
„Das ist nur ein kleines Kloster. Die größten kroatischen Klöster sind immer noch kleiner als die kleinsten Klöster in Österreich“, sagt der freundliche Mönch. 

Vergessene Sprache. Besondere Aufmerksamkeit wird in Cokovac einer altslawischen Sprache gewidmet: Glagoliza wurde im neunten Jahrhundert entwickelt und teilweise bis ins 20. Jahrhundert verwendet. „Die alten Bewohner, die zur Messe kommen, singen heute noch glagolitische Melodien. Die Jungen können damit nichts anfangen“, sagt der Pater. Immerhin kommen die Jungen zur Messe – viel zu tun gibt es in dieser Gegend sonst nicht.
Die Ortschaften der Insel Pašman sind verschlafen. Lediglich 3000 Menschen leben hier auf 60 Quadratkilometern. In den Sommermonaten erhöht sich die Zahl durch Touristen auf das Vierfache.
Für Ruhesuchende hat die Insel aber auch dann einiges zu bieten. Der steinige Weg auf den Berg Straža lohnt sich allemal. Dort hat man eine wunderschöne Aussicht – in Richtung Biograd ebenso wie zur Insel KoŠara mit den dort angesiedelten Fischfirmen. Zwei Tonnen Fisch, die hier pro Jahr gefangen werden, werden allerdings nach Italien exportiert. Auf Pašman gibt es schlicht zu wenig Abnehmer.

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