Olympia 2026: Wenig Neues bei Infoveranstaltung in Graz

Die Initiatoren von ÖVP und FPÖ riefen dazu auf, die Chance zu ergreifen. Der Infoabend mit Bürgermeistern Nagl und Winter lockte etwas unter 300 Interessierte an.

Eine echte Euphorie für Olympische Spiele in Graz und Schladming ist noch nicht aufgekeimt.
Eine echte Euphorie für Olympische Spiele in Graz und Schladming ist noch nicht aufgekeimt.
Eine echte Euphorie für Olympische Spiele in Graz und Schladming ist noch nicht aufgekeimt. – GEPA pictures

Wenig Neues hat es bei der Infoveranstaltung zu "Olympische Winterspiele in Graz und Schladming 2016" am Montag im Grazer Messecenter gegeben. Detaillierte Zahlen zu den Kosten gab es nicht, eher wurde die Chance für Graz und die Steiermark und andere Austragungsorte betont. Einen Ansturm zu der Veranstaltung gab es nicht wirklich: Etwas über die Hälfte von 520 Sitzplätzen war besetzt.

Den Auftakt im Obergeschoß des Messecenters machte ein etwa dreiminütiges Video mit Impressionen der vergangenen Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang mit vor allem jubelnden österreichischen Athleten. Bürgermeister Siegfried Nagl, mit Schladmings Ortschef Jürgen Winter Erfinder der geplanten Bewerbung von Graz und Schladming, bezog sich auf den Film: "Egal ob sie sich für Olympia interessieren oder schon ein verfestigtes Bild mit sich tragen - diese Bilder sagen alles aus, da müsste man eigentlich fragen: Gibt's noch Fragen?" Man mache das auch für die Sportler, für die das der Höhepunkt in deren Leben sei. Dies sei "eine verrückte Idee eines oder zweier Bürgermeister", sagte Nagl.

Nicht um jeden Preis

Zu erwarten wären 3500 Athleten, 5000 Journalisten, das sei organisatorisch bewältigbar. Nagl räumte ein, dass es Olympische Spiele um jeden Preis nicht geben werde: Das IOC habe sich darauf verständigt, dass es künftig andere Spiele geben müsse, nicht mehr in gigantomanischem Sinn. "Gerade von Politikern wird immer verlangt, macht euch Gedanken über die Legislaturperiode hinaus", sagte Nagl. Man wolle möglichst viele Menschen hinter der Sache haben.

FPÖ-Vizebürgermeister Mario Eustacchio betonte in einer "Ode an den Sport" den Stellenwert von Winter- und Jugendsport. Viele Erwachsene betrieben keinen Wintersport mehr, sagte Eustacchio u.a., Olympia sei eine Chance für Spitzen- und für Breitensport. Ihm sei klar, so der FPÖ-Politiker, "wir reden da ja von Milliardenbeträgen, Hunderten Millionen. Aber wenn wir die Chance nicht ergreifen, haben wir unsere Arbeit nicht getan".

Markus Pichler - Geschäftsführer von Special Olympics 2017 in Graz und Schladming und nun der Initiative Olympia 2026 - sagte u.a. in Bezug auf die Strahlkraft von Sport: "Olympia ist eine Chance, für Junge, Alte, schwangere Frauen, wer auch immer, man muss die Menschen wieder zum Sport zu bringen, sonst bekommen wir das Thema Mobilität und Pflege nicht in den Griff". Österreich sei eine Wintersportnation, man lebe davon. "Wichtig ist: Wir greifen bei Olympia auf bestehende nachhaltige Strukturen zurück, die wir auch nachher nutzen".

Winter meinte, erstes Ziel müsse es sein, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen, gegebenenfalls sanieren. Was habe man nicht von den Kosten in Sotschi und Peking und Südkorea gehört - "aber das ist nicht unser Ansatz, das brauchen wir nicht". Rodelbahnen gebe es bereits in Schönau am Königssee oder auch in Igls. Winter beschwor die Euphorie von 2013 bei der Ski-WM in Schladming, um dann zu einem heiklen steirischen Politit-Thema zu kommen: "Der Rechnungshofbericht zur Ski-WM, vordergründig und abwertend. Die Durchführung 2013 kostete die öffentliche Hand gar nichts, das ist auch künftig so". Kurz wurden Zahlen genannt: 195 Millionen Euro von Land, Bund und den ausrichtenden Gemeinden, 221 von privaten Investoren, gesamt 416 Millionen Euro: "Lassen Sie uns etwas Großes hervorbringen, liebe Grazer", schloss Winter.

"13 Mandln im Stadion"

Christoph Sumann, aus dem obersteirischen Murtal stammender früherer Biathlon-Weltklasse-Athlet, sprach über das Problem mangelnde Zuschauer bei den jüngsten Spielen: "Man fahrt hin und ist fast ein bisschen enttäuscht, 13 Mandln im Stadion." Das gebe es in Österreich nicht. "Wir haben eine Riesenchance, natürlich muss ein bisschen Geld in die Hand genommen werden". Die Partnergemeinden wüssten, wie man organisiert "und wir wissen, wie man Party feiert. Und wir haben auch Naturschnee", nannte Sumann ein weiteres Argument für Olympia, neben elterlicher Hoffnungen: "Meine Tochter macht auch Biathlon, 2026 tät' sich ausgehen".

Erste Fragen aus dem Publikum waren eher skeptischer Natur und drehten sich um die Kosten. Ein Mann sagte, die Politik habe auch beim Kauf der Eurofighter erklärt, dass sich die durch die Gegengeschäfte von selbst finanzieren würden.

KPÖ sammelt Unterschriften für Befragung

Bereits am Montag zu Mittag waren die Grazer Gemeinderatsparteien außer ÖVP und FPÖ skeptisch gegenüber Olympia im Allgemeinen und der Info-Veranstaltung im Besonderen gewesen. "Informationsveranstaltung ist wohl der falsche Titel dafür", sagte KPÖ-Stadträtin Elke Kahr. Das Land als Geldgeber habe schon abgewunken und auch die Bundesregierung agiere sehr zurückhaltend. Damit lägen sämtliche finanziellen Risiken bei der Stadt Graz. Die KPÖ hat nach eigenen Angaben inzwischen 3.200 Unterschriften für eine Volksbefragung Olympia zusammen.

Ähnlich argumentierte der Grazer SPÖ-Klubchef Michael Ehmann, der im Vorfeld von einer "reinen euphorischen Road-Show" sprach. Die am Vormittag auf Druck der Opposition von Schwarz-Blau präsentierten Informationen in Sachen Olympische Winterspiele seien eine "äußerst dünne Suppe" gewesen.

Der Grüne Klubobmann Karl Dreisiebner warf Bürgermeister Nagl vor, gänzlich ohne Daten und Fakten zu agieren. Dieser habe nichts in der Hand, um die Olympia-Pläne nachvollziehbar und plausibel zu machen: "Keine Informationen über die Forderungen und Vorgaben des IOC und nicht einmal vage Zusagen von Bund und Land, sich an dem Mega-Event Olympia 2026 beteiligen zu wollen", so Dreisiebner zum Sonderausschuss zum "Hochrisikoprojekt" Olympia am Montag, der von den Oppositionsparteien gemeinsam beantragt worden war.

(APA)

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