WM 2019: Alle Langlaufloipen führen nach Seefeld

Der 4000-Einwohner-Ort in den Tiroler Bergen ist für den Ansturm von 200.000 Besuchern gewappnet, Bahnhof, Loipen und Schanze sind frisch gespurt. Wer aber gewinnt Österreichs Medaillen, wer wird der Topstar dieser WM?

(c) APA/GEORG HOCHMUTH

Seefeld. Kaum ist die alpine Ski-WM Geschichte, starten bereits die Weltspiele der nordischen. Langläufer, Kombinierer und Skispringer messen sich ab Mittwoch im 4000-Einwohner-Ort Seefeld, bis 3. März werden 200.000 Besucher in Tirol erwartet. Die Olympiaregion ist ausgebucht, an 13 Tagen warten 22 Entscheidungen. Diese WM erlebt sogar eine historische Premiere: die Skispringerinnen bestreiten erstmals einen Teambewerb.

Österreichs Sportler haben in fast jedem Bewerb Medaillenchancen, ausgenommen sind alle Langlauf-Events der Herren. Hier ist der Abstand zur Weltspitze weiterhin zu groß. In diesem Rückstand äußert sich auch der große Unterschied zur vergangenen Heim-WM 1999 in Ramsau. Damals gelang den Langläufern unter anderem mit Staffel-Gold der große Auftritt. Auch bei den Langläuferinnen wurde vor 20 Jahren die letzte WM-Medaille gewonnen. Maria Theurl gewann Bronze über 15 Kilometer im klassischen Stil.

 

Medaillen & Nachhaltigkeit

In Seefeld, bereits 1985 WM-erprobt und dank Toni Seelos, des Erfinders des Parallelschwungs, auch alpinaffin, soll „Werbung für unseren Sport gelingen“, sagt ÖSV-Direktor Mario Stecher. „Es muss gelingen, in der Bevölkerung Begeisterung für nordischen Sport zu entfachen. Langlauf ist ein Gesundheitssport, da kann diese WM einen wichtigen Beitrag leisten.“ Dafür wurden Millionen in die Infrastruktur investiert, Loipen und Bahnhof neu ausgebaut. Nachhaltigkeit ist also das wahre WM-Ziel.
Der ÖSV schickt neun Langläufer (davon zwei Frauen), sechs Kombinierer und Springer sowie fünf Skispringerinnen ins Rennen.

 

Österreichs Chancen

Nach der WM 2017 in Lahti mit zweimal Gold, einmal Silber und zwei Bronzenen erwartet sich Stecher für die Heim-WM „mindestens vier Medaillen“. Im Springen bei Damen und Herren je eine und in der Kombination zwei, rechnet er vor. Stefan Kraft ist Titelverteidiger in beiden Einzelbewerben, der Pongauer ist neben Langläuferin Teresa Stadlober auch die einzig echte ÖSV-Medaillenhoffnung.

Stadlober (Achte in Cogne) war zuletzt verkühlt. Sie hat im Skiathlon und im 30-km-Lauf (Massenstart) aber die besten Chancen. Und Kraft, Gewinner von 15 Weltcupbewerben, ist auf Schanzen in Österreich noch sieglos. Bei der Vierschanzentournee wurde er im Jänner in Innsbruck Zweiter.

Überraschen könnten die Kombinierer Franz-Josef Rehrl und Mario Seidl. Auch im Teambewerb ist die Mannschaft von Christoph Eugen ein Tipp.

 

Topfavoriten

Im Langlauf führt an Therese Johaug, 30, keine Spur umhin. Die Norwegerin gilt in jedem Distanzrennen als Sieganwärterin – sie gewann bislang nach Ablauf ihrer 18-monatigen Dopingsperre jedes in diesem WM-Winter. Um für Seefeld auch genug Kraftreserven zu tanken, ließ sie die Tour de Ski aus.

Auch bei den Kombinierern dominiert ein Norweger: Jarl Magnus Riiber. Der 21-Jährige gewann zehn Weltcupbewerbe, steht als Gesamtweltcupsieger fest. Norwegen wird zum elften Mal in Folge den Medaillenspiegel anführen.

Im Skisprung duellieren sich sich Ryōyū Kobayashi (JAP, Tourneesieger) und Kamil Stoch (POL). Den Außenseitersieg könnte ein Deutscher (Leyhe, Eisenbichler, Geiger) landen. Was gelingt Kraft?

 

TV-Hype & Royals

Machten internationale TV-Sender um die Ski-WM in ?re doch einen Stemmbogen, ist in Seefeld großes Aufsehen gewiss. ARD, ZDF, SRF, ORF oder Eurosport zeigen jedes Rennen live. Dazu kommen Sender aus Polen, Norwegen, Schweden und Finnland. In Skandinavien ist Langlaufen der Volkssport. Der Besuch der Königspaare Carl Gustaf und Silvia (SWE) sowie Harald V. und Sonja (NOR) potenziert ab 24. Februar das Interesse.

 

Gleichberechtigung

Wurden sie 2009 bei ihrer WM-Premiere von FIS-Präsident Gian Franco Kasper („Ihnen könnte es bei der Landung die Gebärmutter zerreißen“) plump belächelt, erhalten Skispringerinnen jetzt mehr Präsenz. Ob Einzel, im Team oder im Mixed, die Emanzipation auf dem Schanzentisch, forciert durch TV-Interesse in Asien, schreitet voran. Österreichs Equipe mit Daniela Iraschko-Stolz hat in Seefeld gute Chancen. Vielleicht gibt es bald auch eine eigene Tournee? Diese WM gilt hierfür als Wegweiser.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2019)

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