Was das Huawei-Verbot für Smartphone-Besitzer weltweit bedeutet

Die USA haben ihren Kampf gegen den chinesischen Smartphone-Riesen Huawei auf ein neues Level gehoben. Und riskiert damit die Sicherheit von Millionen Smartphone-Nutzern.

REUTERS

Seit 2007 werfen die USA in regelmäßigen Abständen dem chinesischen Hersteller für Netzwerkausrüstung und Smartphones Spionage vor. Für die chinesische Regierung soll das Unternehmen arbeiten, einen „Kill Switch“ und Backdoors in ihrer Software implementiert haben, um die westliche Welt lahmzulegen. Nun hat diesen Schritt Donald Trump als erster gewagt. Indirekt, denn mit dem Kniff des US-Präsidenten Huawei auf eine schwarze Liste zu setzen, legt er Huawei lahm.

US-Unternehmen dürfen nicht länger mit Huawei zusammenarbeiten. Der rigorose Schritt wurde nun ein wenig gelockert. 90 Tage dürfe noch weiter gearbeitet werden. Dabei geht es vor allem um die Versorgung bestehender Smartphone-Nutzer sowie den Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik. 

Was bedeutet der Bann für Smartphone-Nutzer 

Für Nutzer von Huawei-Smartphones bedeutet die neue Frist, dass Google in den drei Monaten die Telefone weiterhin in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Das Ministerium werde auswerten, ob die Regelung über 90 Tage hinaus verlängert werde. 

Für bestehende Smartphones: Darüber hinaus versicherte Huawei in einem offiziellen Statement, dass die Firma weiterhin „ Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden Huawei und Honor Smartphones sowie Tablets zur Verfügung“ stellen werde. Google oder Android nannten die Chinesen in diesem Zusammenhang nicht. Es ist also davon auszugehen, dass die Sicherheitslücken in Android künftig von Huawei selbst gestopft werden.

Der Zugriff auf den Play Store, der zentralen Anlaufstelle für Apps in Android, soll weiterhin möglich sein. Das bedeutet in weiterer Konsequenz, dass die Anwendungen auch weiterhin Updates erhalten. Bestehende Smartphone-Nutzer werden in den kommenden Monaten kaum etwas von den Restriktionen spüren.

Für kommende Smartphones: Spannend wird es hingegen bei neuen Geräten. Denn der Bann betrifft nicht nur Google, auch wenn dieser als Android-Lizenzgeber heraussticht. Auch Broadcom, Qualcomm, Intel dürfen nicht mehr mit Huawei zusammenarbeiten. Jegliche US-Technologie wird sich nicht mehr in neuen Huawei-Geräten finden lassen.

Ist Android nicht ein quelloffenes System?

Ja, an sich schon. Jeder Hersteller kann bei Android Open Source Project das System bekommen. Das Android, wie wir es aber als Nutzer kennen, kommt von Google. Und dafür benötigt man eine Lizenz, um eben auch alle Google-Dienste nutzen zu können. Ein Android-Smartphone von Huawei ohne Google, wäre dann ohne Kartendienst, ohne PlayStore, ohne Gmail.

Zwar gibt es zahlreiche Alternativen, wie Here oder Open Street Maps, aber der Vorteil in den Google-Apps liegt darin, dass sie miteinander verzahnt sind.

Wird Huawei an Android festhalten?

In der Vergangenheit kündigte Huawei schon öfter an, dass man an einer eigenen Software arbeite. Fortschritte wurden aber nicht kommuniziert. Fragen diesbezüglich wurden meist damit abgetan, dass man mit Google als Software-Partner sehr zufrieden sei. In den vergangenen Monaten haben die beiden Unternehmen intensiv an der Entwicklung des Mate X gearbeitet. Wie auch beim Galaxy Fold stehen die Hersteller von faltbaren Smartphones auch vor großen Herausforderungen bei der Software.

Dass Huawei auch weiterhin Android-Geräte auf den Markt bringen wird, ist ebenso offen, wie die Frage, ob Huawei mit einem eigenen Betriebssystem aufwarten wird. Das könnte aber vor allem Google schaden.

Im Huawei-Hauptquartier in Shenzhen ist man im Krisenmodus und bemüht sich um einen Dialog mit den USA. In einen Interview mit dem chinesischen Staatssender zeigt sich jedoch der Firmengründer gelassen. Die Einschränkungen seien von "geringer Bedeutung“, erklärte Ren Zhengfei. Huawei sei auf alles vorbereitet. Die US-Politiker unterschätzten die Kraft des chinesischen Konzerns.

Huawei sei in der Lage, seine eigenen Chips zu fertigen. "Wir können die gleichen Chips bauen wie US-Anbieter", sagte Ren. Das bedeute jedoch nicht, dass man keine US-Chips mehr kaufen wolle. In "friedlichen Zeiten" komme die Hälfte der von Huawei verbauten Chips aus den USA, die andere Hälfte stelle man selbst her. Auch versprach Ren, dass es durch die US-Sanktionen keine Verzögerungen bei der Auslieferung von Ausrüstung für den superschnellen 5G-Datenfunk geben werde. Huawei sei allen anderen Anbietern bei der Technik um zwei bis drei Jahre voraus.

Google bezeichnete Zhengfei als ein "gutes Unternehmen", das verantwortungsvoll agiere. Man sei mit dem US-Konzern im Gespräch über eine Lösung.

Der Handelsstreit geht in die nächste Runde

China erwägt nach ersten Informationen nun auch den Zugriff auf Rohstoffe für die USA einzuschränken. Die seltenen Erden, die zur Herstellung von PC und Smartphones benötigt werden, finden sich in China. Hauptabnehmer aus den USA sind Apple und Dell. Der Schritt Donald Trumps könnte zum Bumerang werden.

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