Panasonic hält Huawei die Treue

Anders als viele Handyfirmen setzt der japanische Konzern - trotz des US-Banns - weiter auf die Technologie aus China. Auch Schweizer Telekomfirmen stemmen sich gegen die Sanktionen.

FILE PHOTO: A man is reflected on Panasonic Corp's logo at Panasonic Center in Tokyo
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REUTERS

Nach den Sanktionen der USA gegen Huawei setzen weltweit immer mehr Mobilfunkfirmen die Markteinführung neuer Smartphones des chinesischen Netzwerkausrüsters und Handykonzerns aus. So etwa hat der größte britische Mobilfunkbetreiber EE am Mittwoch angekündigt, beim Start der ersten Netzwerkdienste der neuen Mobilfunk-Generation 5G in mehreren Städten nicht wie geplant auch 5G-fähige Smartphones von Huawei anzubieten. Vodafone wiederum gab bekannt, wegen der Unsicherheiten rund um die weitere Unterstützung bei Vorbestellungen für das 5G fähige Huawei Mate 20X in Großbritannien zunächst eine Pause einzulegen.

Nicht so Panasonic: Der japanische Konzern betonte am Donnerstag auf seiner chinesischen Website, man werde die Lieferungen an Huawei normal fortsetzen. Zuvor hatte Panasonic allerdings erklärt, man habe Lieferungen von bestimmten Bauteilen an Huawei gestoppt. Diese Entscheidung kam parallel zu der Ankündigung des britischen Chipproduzenten Arm, der zum japanischen Konzern Softbank gehört, man werde die Lizensierung wichtiger Technologie an Huawei aussetzen, um dem US-Bann zu entsprechen. Das berichteten die „Financial Times“ und BBC. Jetzt hat Panasonic offenbar eine Kehrtwendung gemacht.

Auch der Schweizer Telekomkonzern Swisscom hält am chinesischen Hersteller fest. „Swisscom plant derzeit die einführung des neuen Huawei 5G-Smartphones im dritten Quartal“, hieß es in einer Mitteilung. Man beobachte die Situation derzeit. Der zweitgrößte Schweizer Telekomanbieter Sunrise will das Huawei-Modell Mate 20X ab 26. Mai ausliefern.

In Japan teilte Softbank indes mit, dass die Mobilfunktochter Ymobile die für Freitag geplante Markteinführung des Huawei Smartphones P30 Lite verschiebe. Auch der Rivale KDDI legt den Verkaufsstart des Huawei P30 Lite Premium zunächst auf Eis.

Keine Google-Dienste mehr?

Der zum ehemaligen britischen Monopolisten BT gehörende Mobilfunker EE will die ersten ultraschnellen 5G-Netzwerke kommende Woche in sechs Städten einführen, darunter London. Auf 5G-fähige Endgeräte von Huawei solle aber zunächst verzichtet werden, sagte EE-Chef Mark Allera. Zunächst müsse sichergestellt werden, dass die Geräte auch während ihrer gesamten Lebensdauer unterstützt würden.

Huawei setzt bei seinen Mobiltelefonen auf das Betriebssystem Android des US-Internetriesen Google. Weil die USA aber im Handelskrieg mit China Huawei auf eine Schwarze Liste gesetzt haben, haben es amerikanische Firmen schwer, mit den Chinesen weiter Geschäfte zu machen. Als Reaktion auf die Beschränkungen will Google die technische Unterstützung für Android bei Huawei aufkündigen. Damit bekommen Nutzer von Huawei-Smartphones keine Android-Updates mehr. Künftige Handy-Modelle könnten auch nicht mehr auf beliebte Apps wie den Musik- und Filmdienst Google Play Store, YouTube, den Browser Google Chrome und das E-Mail-Programm Gmail zugreifen. Um die Auswirkungen für Verbraucher etwas abzumildern, räumte die US-Regierung Huawei eine dreimonatige Galgenfrist ein.

Auch bei der Mobilfunktochter Ymobile des japanischen Softbank-Konzerns heißt es, man wolle sich vor der Markteinführung eines neuen Huawei Smartphones erst vergewissern, ob der Verkauf nach Einführung der Geschäftsrestriktionen gegen Huawei durch die USA noch möglich sei. Ins gleiche Horn stieß am Mittwoch der japanische Internethändler Rakuten, der ebenfalls ankündigte, den Marktstart des Huawei P30 Lite zunächst zu stoppen.

Huawei gehört zusammen mit Apple und Samsung zu den größten Smartphone-Produzenten der Welt. Zudem ist Huawei der weltgrößte Netzwerkausrüster und spielt weltweit eine wichtige Rolle beim Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G, der als Grundlage für künftige Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren gilt. US-Präsident Donald Trump wirft dem Konzern vor, dass mit dessen Produkten Spionage für China betrieben werden kann. Huawei weist dies zurück. Experten sind freilich der Meinung, dass Trump so scharf vorgeht, weil die USA fürchten, im Technologie-Wettkampf hinter China zurückzufallen.

(reuters)

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