Usability: Dolmetschen zwischen Mensch und Maschine

Nur wenn Software-Lösungen von den Benutzern auch intuitiv und effizient verwendet werden können, sind sie für den Einsatz im Business geeignet. Dafür wird bereits bei der Entwicklung vorgesorgt.

(c) BilderBox (Erwin Wodicka)

Produkte müssen intuitiv und effizient benutzbar sein: Auf diese Definition lässt sich der Begriff Usability reduzieren. Was so einfach klingt, ist allerdings für viele Anbieter offenbar alles andere als selbstverständlich. Diese Erfahrung machen tagtäglich unzählige Menschen, wenn sie am Arbeitsplatz oder zu Hause vor dem Computer sitzen. Unverständliche Eingabeaufforderungen, mehrere komplexe Schritte, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen, mühseliges Studium der Hilfedatei und unzählige andere Probleme sorgen für Ärger und Ineffizienz.

 

Unverständliche IT kostet Geld

Solche Krämpfe mit IT kosten nicht nur Nerven, sondern Unternehmen auch viel Geld, meint Martina Manhartsberger von der Wiener Firma Interface Consult: „Wenn man die durch mangelnde Usability verursachten Kosten für verlorene Arbeitszeit, Einschulungen und Wiedererlernzeit berechnet, sind das bei Produkten, mit denen hunderte oder tausende Menschen arbeiten, beträchtliche Summen“, meint sie. Manhartsberger hat sich mit ihrer Firma Interface Consult auf Beratung im Bereich Usability konzentriert.

Zwei solcher Dienstleistungsunternehmen gibt es derzeit in Österreich. Im IT-Bereich gestalten sie gemeinsam mit den Programmierern das User-Interface, die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Manhartsberg rät, bereits bei der Konzeption eines Programms an Usability zu denken: „Je weiter die Entwicklung fortgeschritten ist, desto mehr Geld kostet die Korrektur von Fehlern.“ Erkannt hat man das etwa im Bundesrechenzentrum (BRZ) in Wien, wo die Software für die öffentliche Verwaltung entsteht. Bei Lösungen für eine größere Nutzerzahl arbeiten dort Usability-Experten bei der Software-Entwicklung mit. Demnächst wird im BRZ sogar ein eigenes Labor zum Testen der Bedienungsfreundlichkeit von IT-Lösungen geschaffen. Selbst einen Eye-Tracker soll es geben, um Augenbewegungen von Usern am Bildschirm zu verfolgen.

Denise Roschek, Usability-Expertin im BRZ, erzählt: „Ein entscheidender Faktor für die Gestaltung der Oberfläche ist, wie und unter welchen Umständen der Nutzer tätig ist.“ Muss ein Mitarbeiter die Bildschirmarbeit etwa aufgrund von Telefonaten oder Parteienverkehr häufig unterbrechen, ist ein hoher Wiedererkennungswert notwendig. Es soll sofort zu sehen sein sein, wo und was zuletzt eingegeben wurde. „Eine solches User-Interface wird ganz anders konzipiert sein als eines für Mitarbeiter, die ungestört und konzentriert arbeiten können“, sagt Rosche.

Bei Business-Software geht der Usability-Trend in Richtung eines einheitlichen Portals, das alle Anwendungen zusammenfasst, die täglich für die Arbeit genützt werden. „Damit muss sich der User nicht permanent mit unterschiedlichen Oberflächen auseinandersetzen“, sagt Manfred Porak, Teamleader für Lotus bei IBM Österreich, über Eigenschaften des neuen Lotus Domino.

 

Informationen auf einen Klick

Die Groupware von IBM bietet außerdem viele Möglichkeiten, um Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenzustellen. Composite Applications heißt die Lösung, mit der etwa ein Sachbearbeiter in der Personalabteilung durch einmaliges Anklicken des Mitarbeiternamens alle über ihn im System vorhandenen Informationen abrufen kann.

Der härteste Test für Usability ist das Internet. Einfacher Gebrauch und hoher Nutzen sind dort die entscheidenden Kriterien für den Erfolg. Immer stärker beeinflusst das World Wide Web deshalb firmeninterne Applikationen. Porak berichtet: „Tools des Internets – etwa Nachschlagwerke wie Wikipedia oder Blogs – sind in Unternehmen immer mehr gefragt. Mitarbeiter schätzen ihre Vorteile und sind durch private Nutzung gewohnt, damit umzugehen.“

 

Sammeln und erschließen

Die Lotus-Entwickler wollen deshalb Systeme schaffen, mit denen sich die daraus resultierende Informationsflut ordnen und auch im Team nützen lässt. „Personen, Informationen und viele andere Daten werden einfach mit Schlagworten versehen, so miteinander verbunden und dem gesamten Team zugänglich gemacht“, erzählt Borak.

IT-USABILITY

Eine benutzerfreundlicheSoftware-Oberfläche soll bereits in der Konzeptionsphase einer IT–Lösung durch Techniker, Programmierer und Experten eingeplant werden: Mangelnde IT-Usability verursacht hohe Folgekosten. Nicht zu verwechseln mit der Gestaltung von Eingabegeräten durch Ergonomen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2008)

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