"Play FM" als innovatives Start-up nominiert

Begonnen hat alles im Wiener Museumsquartier. Jetzt feiert das Webradio Play FM internationale Erfolge und ist auf der Musikmesse MIDEM in Cannes als innovatives Start-up nominiert.

Georg Hitzenberger
Georg Hitzenberger
(c) Play FM

Als das heimische Webradio Play FM 2004 erstmals seinen "Sendebetrieb" aufgenommen hat, gab es in der Datenbank rund 250 Konzertmitschnitte und DJ-Sets heimischer wie internationaler Künstler. Innerhalb der vergangenen Jahre steigerte sich dieses Angebot auf knapp 30.000 Sets. Gründer Georg Hitzenberger sieht sein Start-up mit 150.000 Besuchern pro Monat zwar in der Nische für Streaming-Dienste elektronischer Clubmusik weltweit unter den Top drei, dennoch sei man eine "vergleichsweise kleine Website". Mit der Nachrichtenagentur APA sprach Hitzenberger über neue Serviceangebote sowie die Nominierung der Website als einziges innovatives österreichisches Start-up im Rahmen der Musikmesse MIDEM (23.-26.1.) in Cannes.

"Play FM wurde ja insofern nicht 2004 gegründet, als es damals noch als gemeinnütziger Verein lief, angesiedelt im Museumsquartier. 2008 haben wir dann mit Hilfe von 'departure' (städtische Förderagentur/Anm.) eine Firma als GmbH gegründet", rekapituliert Hitzenberger die Entstehungsgeschichte von Play FM, die für die Nominierung im Rahmen des "MIDEMNET Lab" nicht ganz unwesentlich ist. Nur Unternehmen, die seit drei Jahren oder weniger bestehen, konnten sich bewerben.

Play FM ist in der Kategorie "B2C" (Business to Consumer) gereiht. Im vergangenen Jahr, als der Wettbewerb für Start-ups erstmals stattfand, hat man sich noch nicht beworben. "Das kann gut sein, dass wir das verpasst haben", so Hitzenberger. "Wir waren zwar auf der Messe, aber als Medium, um über österreichische Künstler zu berichten." Aufmerksam sei man auf das "MIDEMNET Lab" durch die Teilnahme eines direkten Konkurrenten geworden. "Dadurch haben wir erst mitbekommen, dass wir uns da präsentieren könnten."

Apps für iPhone, Android und Windows Phone


Die Teilnahme an der Messe wird Play FM auch nutzen, um einige Neuerungen vorzustellen. "Wir werden drei mobile Apps präsentieren, und zwar für Windows Phone 7, Android und natürlich das iPhone. Diese Angebote ermöglichen es per Mobiltelefon auf unsere Datenbank zuzugreifen", erklärt Hitzenberger. "Natürlich" werden auch dabei die Dateien nur "gestreamed und nicht heruntergeladen": "Das wird ja oft missverstanden. Von Anfang an haben wir die Musik immer nur als Stream, nie als Download angeboten", betont der ehemalige Eventveranstalter und DJ.

Mit diesen Apps habe man "eine riesige Sammlung von DJ-Sets in der Tasche". Im Unterschied zum bisherigen Angebot von Play FM wird dafür "eine einmalige Gebühr von 2,99 Euro" zu zahlen sein. "Das ist ein erster Schritt von uns in Richtung Bezahldienst", erklärt Hitzenberger. In Zukunft will man für Premium-User der Website neue Services anbieten, etwa "einen Dienst mit besserer Audioqualität". Eingeführt werden diese Neuerungen allerdings erst im zweiten Quartal diesen Jahres. Die Apps selbst seien "allein durch Werbung nicht finanzierbar".

Für die Präsentation von Play FM auf der MIDEM wird neben diesen Neuerungen vor allem der Versuch, "auf möglichst vielen Devices präsent zu sein", von Mobiltelefonen über herkömmliche PCs bis zu Spielekonsolen, im Vordergrund stehen. Damit reagiert das heimische Unternehmen auch auf das immer öfter im Musikbusiness artikulierte Stichwort der "Cloud Music", die nicht mehr lokal gespeichert wird, sondern von bestimmten Datenbanken auf unterschiedlichste Endgeräte als Stream bezogen werden kann.

Die Teilnahme an der Messe habe wesentliche Bedeutung für sein Unternehmen, so Hitzenberger. Neben der Möglichkeit, mit potenziellen Investoren in Kontakt zu treten, "erhoffen wir uns in erster Linie mehr Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, zu interessanten Partnerschaften zu gelangen. In Österreich ist das ja vergleichsweise schwierig, wenn man sich andere größere Städte wie etwa London ansieht."

"Musikindustrie funktioniert ohne Web nicht"


Die Verbindung von Musik und Internet, die auch bei der MIDEM durch den begleitenden Kongress einen immer wichtigeren Stellenwert einnimmt, könne nach seiner Vorstellung nicht mehr zurückgehen. "Die Musikindustrie wird ohne das Internet nicht mehr funktionieren. Es gibt aber sicher noch Bereiche, die nur in der Realität stattfinden und nur dort stattfinden können, wie Liveauftritte oder Clubevents. So etwas ist nie vergleichbar mit einer Aufnahme oder einem Stream."

Das sei auch die ursprüngliche Idee der Plattform gewesen. "Die Musik in den Clubs ist doch eigentlich immer die 'fresheste' und wird noch nicht auf Frequenzradios gespielt", beschreibt Hitzenberger die Faszination der elektronischen Clubmusik. Damit diese nicht "für immer verloren geht", hat er begonnen, DJ-Sets aufzunehmen und ins Internet zu stellen. "Ein Set erzählt ja eine Geschichte und hat einen Spannungsbogen", außerdem sei die "Auswahl eines DJs natürlich ganz eine andere, als einen Track nach dem anderen zu spielen", verweist der Unternehmer auf andere Webdienste, bei denen die Zusammenstellung von Musikstücken nach einem Rechenalgorithmus zustande kommt. Play FM biete dagegen eine "andere Art, Musik zu hören und zu entdecken".

(APA)

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