Ein modulares Akkuwunder aus China

Bei Google fand Motorola kein neues Zuhause. Erst in China bei Lenovo. Mit dem Z2 Play meldet sich der Traditionshersteller lautstark und ausdauernd wieder zurück.

Einer Rückkehr an die Spitze steht nichts im Weg.
Einer Rückkehr an die Spitze steht nichts im Weg.
Einer Rückkehr an die Spitze steht nichts im Weg. – REUTERS

Motorola war lange Zeit der Inbegriff für Innovation und Marktführerschaft auf dem Handymarkt. In den 1980er-Jahren. Doch das 1928 in Schaumburg, Illinois, gegründete Unternehmen verlor den Anschluss und öffnete neuen Playern Tür und Tor. Nach einigen Übernahmen und Weiterverkäufen hat Motorola nach einer Zwischenstation bei Google ein nunmehr stabiles Zuhause bei Lenovo gefunden. Nach knapp drei Jahren Schnupperphase und Eingewöhnungszeit bringt das Unternehmen jetzt ein Smartphone nach dem anderen auf den Markt. Dabei sticht das Moto Z2 Play aus der Masse heraus.

Mit dem Ende von Googles Project Ara musste die Tech-Welt das modulare Smartphone begraben. Was Google nicht gelungen ist, kann das Z2 Play. Das 5,5 Zoll große Gerät besticht nicht nur durch den Akku, die Kamera und den Preis, sondern vielmehr durch die Tatsache, dass es sich im laufenden Betrieb erweitern lässt.

Akku-Engpässe, adieu. Das Moto Z2 Play kann durch Mods den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Über Magnet-Pins an der Rückseite können ein Extra-Akkupack, ein JBL-Lautsprecher, eine Hasselblad-Kamera oder ein Gamepad mit physischen Tasten angebracht werden. Dafür muss das Gerät nicht ausgeschaltet werden. Das geht praktisch und unkompliziert im laufenden Betrieb.

Der Turbo-Powerpack mit 3500 mAh springt dann einfach ein, wenn der verbaute Akku mit 3000 mAh nach knapp zwei Tagen intensiver Nutzung den Geist aufgibt. Eine Woche im vollen Arbeitseinsatz, und kein einziges Mal war ein Aufladen nötig. Man fühlt sich mit dem Moto Z2 tatsächlich wieder an die Anfänge des Handyzeitalters erinnert, ohne dabei den Komfort aller Funktionen und Extras missen zu müssen. Für die Mods verlangt Motorola im Schnitt zwischen 100 und 200 Euro. Die modularen Elemente sind das eigentliche Highlight des Geräts, aber selbst ohne weiß es zu punkten.

Das Full-HD-Display (1920 x 1080 Pixel) bietet eine mehr als zufriedenstellende Darstellung. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung lassen sich die Inhalte gut erkennen. Das 5,5 Zoll breite Gerät ist ungewöhnlich breit – im Vergleich zum Note 8 und iPhone 8 –, liegt aber dennoch gut in der Hand.

Software für Puristen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber es hat Vorzüge, dass Motorola sich kein eigenes User-Interface zusammengeschustert hat, sondern hier Android treu geblieben ist. Keine verspielte, verschnörkelte Oberfläche. Die Anzahl der Apps ist übersichtlich und kaum durch vorinstallierte Werbeanwendungen von Motorola überfüllt. Der Fingerprint-Scanner ist sehr zuverlässig und vor allem im Vergleich zur Konkurrenz sehr schnell. Er erlaubt auch etwaige Ungenauigkeiten beim Auflegen des Fingers. Zudem können dem Fingerabdruck-Sensor mehrere Funktionen zugeordnet werden.

Ordentlicher Preis. Das 145 Gramm leichte Smartphone hat einen Achtkern-Prozessor (2,2 GHz) sowie eine Adreno 506 verbaut. Gemeinsam mit dem drei Gigabyte großen Arbeitsspeicher ist das Z2 Play auch arbeitsintensiven Anwendungen und grafisch aufwendigen Spielen gewachsen. Super Sonic auf dem Z2 Play ist kein Problem. Lediglich bei der Kamera ist noch Luft nach oben. Mehr Detailtreue und Farbgenauigkeit wären zu wünschen. Auch die Auswahl der Mods sollte noch wachsen. Motorola ruft moderate 450 Euro für das Gerät ohne Mods auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2017)

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