Huawei: Richard Yu beendet chinesische Höflichkeit in USA

Der geplatzte Deal mit AT&T wirft Huawei wieder um Jahre zurück in den USA. Auf der Pressekonferenz in Las Vegas ließ Richard Yu seinen Emotionen freien Lauf und wird dafür von anwesenden Medien gefeiert.

APA/AFP/MANDEL NGAN

Steve Jobs hat Technikvorführungen mit Spannung, Unterhaltung und Witz angereichert. Präsentationen wurden zu Events. Durchgeplant, getaktet und dutzende Male durchexerziert bleibt nur wenig Platz für Improvisation. Teleprompter zwingen die Redner auf der Bühne in ihrem engen vorgegebenen Rede-Korsett zu bleiben. Doch in Las Vegas gab es seit langem wieder Emotionen und - zumindest gefühlte - Improvisation.
Die Rede ist von Huawei-Chef Richard Yu.

Bei der Präsentation des Huawei Mate 10 Pro, das in Europa seit November erhältlich ist, spulte er Programm ordnungsgemäß ab. Bei der letzten Frage erschienen lediglich fünf Worte auf der großen Leinwand: "Something I want to share". Er wollte reden. Darüber, dass der Deal mit dem für Huawei wichtigen Provider AT&T gescheitert ist. Und das nach jahrelangen Verhandlungen. Kurz vor Abschluss des Deals zog AT&T die Reißleine. Angeblich weil es Bedenken aus der Politik gab. "Es ist ein großer Verlust für uns, auch für die Mobilfunkanbieter, der größte Verlust entsteht aber für die Kunden, denn sie haben nicht mehr die beste Wahl", erklärte Yu auf der Bühne.

Spionagevorwürfe bleiben an Huawei haften

Jahrelang arbeitet Huawei daran, die Spionagevorwürfe zu zerstreuen. Man wollte die USA mit den Erfolgen im eigenen Land und in Europa überzeugen. Die 70 Millionen Kunden hätten aber anscheinend nicht gereicht, führt Yu weiter aus - merklich aufgebracht. "Wir liefern Qualität und haben gezeigt, dass wir Privatsphäre und Sicherheit schützen können."

Huawei wird das Mate 10 Pro auch ohne AT&T-Deal in den USA anbieten. Nachdem aber in den USA 90 Prozent der Smartphones aber nach wie vor über Mobilfunkanbieter verkauft werden, bleibt es schwierig für Huawei. Medial wird Huawei, insbesonders Yu gefeiert. "The Verge"-Autor Vlad Savov schreibt von aufrichtigen Emotionen und wünscht sich, öfters auf Pressekonferenzen so viel Aufrichtigkeit zu sehen. Ins selbe Horn stößt Techcrunch-Redakteur Brian Heater. Yu sei der 800-Pfund-Gorilla für die Dauer einer Keynote gewesen".

Hintergrund: 2012 warnte der US-Kongress vor Huawei und ZTE. Man sah ein Sicherheitsrisiko in den Produkten. Befürchtet wurde, dass die Unternehmen Hintertüren in die Software einbauen, um US-Bürger zu überwachen und diese Informationen an Chinas Regierung weiterzugeben. ZTE ist in den USA bei AT&T wieder erhältlich. Huawei weiterhin nicht.

>>> Das Video gibt's hier zu sehen: The Verge.

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