Nintendo Switch: Ein gelungener Hybrid

Das Grundprinzip von Nintendo Switch ist simpel. Entweder kann mobil oder über den Fernseher gespielt werden. Das Gerät ist gelungen, auch wenn Macken nicht fehlen.

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(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/Drew Angerer (Drew Angerer)

Nintendo hat sich mit seinen Konsolen noch nie an der Konkurrenz orientiert. Schon immer haben die Japaner ihr eigenes Ding gemacht und haben neue Konzepte ausprobiert. Der Erfolg gab ihnen mehrmals recht. Lediglich die Wii U reiht sich nicht in die Liste dieser Konsolen ein. Schlechte Akku-Laufzeiten, unkomfortables Spielvergnügen, das durch Ruckler und Aussetzer geprägt war. Das Hybrid-Gerät fiel schnell bei den Testern und Kunden durch. Die Switch soll das ändern.

Seit Freitag ist die Konsole erhältlich. In Japan haben sich vor den Geschäften Menschenschlangen gebildet. Bilder, die man sonst nur von Apple und den iPhones gewohnt ist. Doch was kann die 330-Euro-Konsole? „Die Presse“ hat die Switch genauer unter die Lupe genommen.

Das Unternehmen

Die Geschichte des Unternehmens begann im Jahr 1889 mit Spielkarten. Firmenpatriarch Fusajiro Yamauchi machte sich an die Herstellung traditioneller japanischer "Hanafuda"-Karten in Handarbeit, selbst das Papier kam aus eigener Produktion. Anfang des vergangenen Jahrhunderts kamen auch westliche Spielkarten dazu.

In den 1950er-Jahren fing Nintendo an, mit einer Lizenz von Disney Spielkarten mit Figuren wie Micky Maus und Donald Duck in Japan zu verkaufen. Es war ein Erfolg, der Yamauchi zudem beibrachte, wie wichtig beliebte Figuren werden können. Doch er wollte mehr. Es folgte eine Zeit von zum Teil verlustreichen Experimenten. Das erste neue Produkt, portionierter Reis, den man nur mit heißem Wasser übergießen musste, war ein Reinfall. Danach produzierte Nintendo unter anderem Kinderwagen, betrieb eine Taxi-Firma und ein Stundenhotel.

Erst 1969 fand Yamauchi das Geschäft, das zu Nintendo passte: Spielzeug. Ein Vorteil war, dass die etablierten Vertriebskanäle für die Spielkarten mitbenutzt werden konnten. Die anderen Experimente wurden aufgegeben, stattdessen gab es von Nintendo einfache Gadgets wie einen mechanischen Greifarm oder ein Periskop, mit dem man um die Ecke spähen konnte.

Neben Spieleautomaten kamen in den 1970er-Jahren auch Geräte für den heimischen Fernseher auf den Markt, mit einfachsten Spielen wie der Tennis-Imitation "Pong". Nintendo erwarb zunächst eine Lizenz, um solche Spiele in Japan zu verkaufen, doch Yamauchi wollte mehr. Er setzte seinen Ingenieuren das Ziel, eine Konsole zu entwickeln, die technisch besser war als Geräte der Konkurrenz - aber nur die Hälfte kosten durfte.

Die Geburtsstunde der NES

Das Ergebnis war ein Gerät mit dem Namen "Family Computer System", das 1983 in Japan und danach als "Nintendo Entertainment System" auch in anderen Ländern auf den Markt kam. Die günstige Konsole warf nur dünne Profite ab, doch Yamauchi erkannte das große Geschäft dahinter: "Wir werden das Geld mit Spielen verdienen."

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(c) APA/AFP/TOSHIFUMI KITAMURA (TOSHIFUMI KITAMURA)

Das Grundprinzip der Konsole ist schnell erklärt. Entweder verwendet man sie als portables Gerät und steckt die zwei mitgelieferten Mini-Controller an, wodurch es zu einem vollfunktionalen Gamepad wird, oder man steckt das Tablet-artige Gerät in die Docking-Station und spielt über den Fernseher. Strom bekommt die Switch dabei über das mitgelieferte Netzteil. Über HDMI werden Switch und Fernseher zusammengeschlossen.

Flüssig und schnell

Ähnlich leicht ist auch die Installation und das Einrichten. Interessant für Eltern, die auf die Spieldauer ihrer Sprösslinge Einfluss nehmen möchten. Bei der Switch kann pro Profil eingerichtet werden, wie lange gespielt werden darf. Daraufhin wird das Mii-Profil (wie auch schon bei der Wii und der Wii U) eingerichtet. Nach dem Einrichten des Wlans wird Schritt für Schritt die Einrichtung erklärt. Nach neun Punkten ist alles erledigt und man muss nur noch das Spiel einlegen und kann starten.
Das Herz der Nintendo-Switch, das 6,2 Zoll große Gamepad mit Touch-Display, das gleichzeitig auch die Rechnereinheit ist, liegt sehr gut in der Hand. Das Gehäuse ist aus Polycarbonat und fühlt sich dennoch sehr hochwertig und robust an.

Angesichts der Tatsache, dass es auch als mobile Spielekonsole konzipiert ist, sollte sie auch Transporte im Rucksack unbeschadet überstehen. Mit 400 Gramm ist sie angenehm leicht und macht keine müden Arme bei längeren Spielsessions. Die zwei Controller-Einheiten, die seitlich ans Gamepad angeschlossen werden, sind kleine Sensibelchen.

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Da bedeutet es Vorsicht bei der Steuerung.
Vielfältige Benutzungsmodi. Die sogenannten Joy-Con-Controller können einerseits am Gamepad angeschlossen werden, oder aber auch auf eine Halterung gegeben werden. Spielt man zu zweit, bekommt jeder einen Controller und braucht ihn nur um 90 Grad zu drehen. Natürlich gibt es auch Extra-Zubehör, das kostenpflichtig angeboten wird. Für 80 Euro bekommt man einen Controller, der jenen anderer Konsolen-Hersteller gleicht.

Kein Gerangel um den Fernseher

Der Wechsel zwischen stationärem und mobilem Spielen funktioniert ohne Ausschalten, Ruckler oder Problemen. Auch die Verbindung zwischen Fernseher und Switch (vier Meter) war im Test problemlos, auch wenn sich Berichte über Aussetzer mittlerweile häufen.

Sehr positiv fällt auf, dass keine Updates oder Installationen beim Start eines Spiels notwendig sind. Speicherkarte rein und schon geht's los. Der Akku hält bei der neuen Zelda-Version bis zu drei Stunden. Das ist nicht das Optimum, kann aber durch ein Akku-Pack ausgeglichen werden. Alles in allem ist die Nintendo Switch aber wirklich gut gelungen und eine willkommene Abwechslung zu den sonst am Markt erhältlichen Geräten.

Der aber größte Vorteil ist, dass die Switch für Ruhe im Wohnzimmer sorgt. Statt Revierkämpfen und den damit verbundenen Querelen um die Fernbedienung, kann der Switch-Nutzer einfach auf das Tablet, also die mobile Konsole ausweichen.

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