Lothar Lockl: Beim Schachspiel Strategie gelernt

Der ehemalige grüne Parteisekretär wird ab Herbst Unternehmensberater und bringt seine Erfahrungen aus der Umweltorganisation Global 2000, aus der Politik und als Kampagnenleiter (zum Beispiel beim Gentechnik-Volksbegehren) in den neuen Job ein.

(c) APA (Barbara Gindl)

Sein Abgang kam für die Grünen zur Unzeit: Im Februar dieses Jahres kehrte Parteisekretär Lothar Lockl der Politik den Rücken, mitten im Zwist um Johannes Voggenhuber. Seine Neuorientierung sei aber lange geplant gewesen, sagt Lockl.

Ab Herbst macht er sich nun als Berater selbstständig und bringt seine Erfahrungen aus der Umweltorganisation Global 2000, aus der Politik und als Kampagnenleiter (zum Beispiel beim Gentechnik-Volksbegehren) in den neuen Job ein. Lockl sieht sich an der „Schnittstelle zwischen Politik, Medien, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und Zivilgesellschaft“. Wenn also die Milchbauern für einen besseren Preis kämpfen wollen: Könnten die sich an ihn wenden? „Unter Umständen ja“, sagt Lockl.

 

Nicht betriebsblind werden

Und wenn sein Ex-Chef Alexander Van der Bellen, mit dem ihn mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis verbindet, grüner Präsidentschaftskandidat wird, könnte er dann ebenfalls bei ihm Beratung zukaufen? Das sei ja noch gar nicht spruchreif, meint Lockl – eine typische Politikerantwort. Immerhin war Lockl zehn Jahre in diesem Metier. Und er will auch heute noch nichts Negatives über Berufspolitiker sagen. Aber eigentlich sollte man in diesem Job nicht ewig bleiben, um den Zugang zur Realität nicht zu verlieren: „Man wird betriebsblind.“

Wie die Grünen wieder erfolgreich werden könnten? Ratschläge will Lockl keine geben, nur so viel: ein klares Profil haben, Schwerpunkte setzen. Den Vorwurf, dass die Grünen zur reinen Frauenpartei geworden seien, findet er skurril. Schließlich sei den Grünen unter Van der Bellen immer vorgeworfen worden, auf Frauenthemen zu setzen und trotzdem einen Mann an der Spitze zu haben.

Für seine neue Aufgabe kommt dem eher zurückhaltenden Ex-Politiker zugute, einmal Staatsligaspieler im Schach gewesen zu sein (eigentlich wollte er sogar Profi werden). Ein paar Züge vorausdenken, die Stellung analysieren, sich in den anderen hineinversetzen können: sehr brauchbare Eigenschaften für einen, der strategisch beraten will.

Für seine Frau Claudia Reiterer, die während Lockls beruflicher Auszeit ORF-„Dancing-Star“ wurde, dürfte sein politischer Ausstieg von Vorteil sein: Auf Wunsch ihrer Chefs musste sie wegen seiner Parteikarriere dem Innenpolitikjournalismus den Rücken kehren.

Lothar Lockl

Der Ex-Grünen-Politiker Lothar Lockl (40) wurde in der Umweltorganisation Global 2000 sozialisiert. Zwischen 1989 und 1999 fungierte er dort unter anderem als Pressesprecher. Mitstreiterin damals: die jetzige Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

1999 wechselte der studierte Politikwissenschafter zu den Grünen, war zuerst Kampagnenleiter, später Kommunikationschef und ab Herbst 2006 Bundesparteisekretär. Im Februar dieses Jahres verkündete Lockl seinen Rückzug aus der Politik.

Ab Herbst macht sich Lockl selbstständig und bietet strategische Kommunikation an. [Bruckberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2009)

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