Porträt: Maria Schaumayer

Das Leben der Ex-Nationalbank-Präsidentin und Regierungsbeauftragten war geprägt von ihrem Engagement für Politik und Wirtschaft.

Maria Schaumayer war weltweit die erste Frau an der Spitze einer Nationalbank
Maria Schaumayer war weltweit die erste Frau an der Spitze einer Nationalbank
(c) Teresa Zöttl

Maria Schaumayer konnte im Vorjahr bei der Feier ihres 80. Geburtstages auf ein erfülltes Leben im Dienste der Öffentlichkeit und Gesellschaft zurückblicken. Das bewies die gebürtige Steirerin bereits in jungen Jahren, als sie im Eilzugstempo nach nicht einmal 23 Lebensjahren zur Juristin promovierte. Bereits zuvor hatte sie ein Wirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Industrie abgeschlossen.

Wechsel in Politik

Bei der Creditanstalt erlernte sie etwa zehn Jahre lang das Bankenhandwerk, ehe sich die mittlerweile in Wien Seßhafte 1965 zur Ausübung ihre zahlreichen politischen Funktionen beurlauben ließ. Schaumayer fungierte während ihrer Zeit als Mitglied des Wiener Stadtsenates auch als Fraktionssprecherin der ÖVP in der Landesregierung. Als Stadträtin für die Wiener Städtischen Unternehmungen konnte sie ihre Wirtschaftskompetenz einbringen.

Nach neun Jahren in der Politik startete die Frau mit den vielen Titeln - Senatorin, Kommerzialrätin, Diplomkauffrau- 1974 ihre zweite Wirtschaftslaufbahn als Vorstandsmitglied bei der Kommunalkredit AG. Dass sie ihren Mädchentraum, Mittelschulprofessorin zu werden, nicht realisiert hat, bedauerte das Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nie, denn "die Kinder sind immer schlimmer geworden".

Erste Frau an Spitze einer Nationalbank

1990 gelangte die damals 58-Jährige an die Spitze der Österreichischen Nationalbank und bekleidete fünf Jahre lang die Funktion der Präsidentin. Maria Schaumayer war die erste Frau der Welt in der Position einer Nationalbankpräsidentin. Die Sicherheit, die ihr Wirken in allen Aufgaben hinterließ, habe sie ihrer Selbstständigkeit zu verdanken. Durch die Abwesenheit jeder Art von Hilfe durch Verwandte sei sie gezwungen worden, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Auf eine zweite Periode in der Nationalbank verzichtete Schaumayer.

Die mit vielen lokalen und nationalen Orden Ausgezeichnete steht zu all ihren "schlechten" Angewohnheiten als Mensch. Leute ihres Umfeldes bezeichnen sie als "Rauchdampfer", auch dem Bridge- und Tarock-Spielen ist sie nicht abgeneigt. Bereits in frühem Alter betrieb sie Tätigkeiten, die damals als für Frauen unüblich galten, wie Autofahren und Arbeit mit schweren Gartengeräten. Dass Maria Schaumayer selbst nie eine eigene Familie mit Mann und Kinder hatte, sieht sie nicht als Versäumnis: "Jedem das seine: Sie hat eine Karriere, eine andere eine starke Familie."

Regierungsbeauftragte für Entschädigung

Ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit geriet die auch als Bundespräsidentschaftskandidatin im Gespräch gewesene Bankerin im Jahr 2000 mit der Führung der Entschädigungsverhandlungen für 150.000 NS-Zwangsarbeiter. Ihrem Verhandlungsgeschick war es zu verdanken, dass bilaterale Abkommen mit sechs osteuropäischen Ländern sowie ein Abkommen auf Regierungsebene mit den USA zur Herstellung eines dauerhaften Rechtfriedens zustandekamen.

Vielleicht weil Schaumayer wusste, wie schwer es ist, als Frau im Beruf weiterzukommen, war ihr die Förderung der Frau in ihrer Karriere ein großes Anliegen. 1991 rief die Diplomkauffrau ihre eigene Stiftung ins Leben. Das Ziel der Dr. Maria Schaumayer-Stiftung ist die aktive Unterstützung von Frauenkarrieren in Wirtschaft und Wissenschaft sowie die Förderung der Erforschung und der Verbesserung der Rahmenbedingungen dieser Laufbahn.

Die letzten Jahre war es um Dr. Schaumayer ruhiger geworden. Ihre letzte Ehrung erfuhr die Ex-Politikerin im März 2007, als sie als erste Frau den Leopold Kunschak-Preis empfangen durfte. Dieser wird seit 1965 jährlich für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften von der ÖVP vergeben. In einem Zeitungsinterview 2011 sagte die Ex-Nationalbank-Präsidentin, dass der einstige Finanzminister Reinhard Kamitz an ihrem politischen Karrierebeginn ihr Vorbild gewesen sei. Auch sie wollte die Liberalisierung nach vorne stellen und Österreich in die Welt einbinden.

Am 23. Jänner 2013 ist Maria Schaumayer im Alter von 81 jahren unerwartet in Wien verstorben.

 

(herbas)

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