Banken: Die Angst vor dem Crash in Osteuropa

Der Staat Österreich muss wegen des Osteuropa-Risikos der Banken immer höhere Zinsen für seine Anleihen bieten. Die Geldhäuser versichern aber, dass sie alles im Griff haben. Der ATX verlor über acht Prozent.

(c) BilderBox (Erwin Wodicka)

Wien. Die Meldung lief um 9.24 Uhr über die Finanzagentur Bloomberg: Die Risikoprämien von österreichischen Staatsanleihen haben ein Rekordniveau erreicht, das die Steuerzahler teuer zu stehen käme. Bei zehnjährigen Anleihen würde die Republik Österreich derzeit um 124 Basispunkte (1,24 Prozentpunkte) höhere Zinsen zahlen müssen als Deutschland. In den vergangenen zehn Jahren machte der Unterschied zwischen Österreich und Deutschland im Schnitt 15 Basispunkte aus.

Banken raten von Staatsanleihen ab

Internationale Banken wie die Commerzbank raten, österreichische Staatspapiere wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen mit Osteuropa zu verkaufen. Für die Steuerzahler hat dies gravierende Auswirkungen. Denn der Bund will heuer mit Anleihen an den Kapitalmärkten 24 bis 30 Mrd. Euro einsammeln, wie die Bundesfinanzierungsagentur im Jänner bekannt gegeben hat. Um Käufer zu finden, werden immer höhere Zinszahlungen fällig. Staatsanleihen im Euro-Raum werden von Anlegern gekauft, die so gut wie kein Risiko eingehen wollen.

 

So kreditwürdig wie Portugal und Spanien

Doch Österreich wird in puncto Kreditwürdigkeit immer öfter in einem Atemzug mit Griechenland, Portugal und Spanien genannt. Daher sind auch die Kosten für Versicherungen, mit denen sich Investoren gegen den Ausfall von österreichischen Anleihen absichern (im Fachjargon „Credit Default Swaps“) gestiegen. „Es gibt überhaupt keinen Grund, an unserer Bonität zu zweifeln“, heißt es dagegen im Wiener Finanzministerium.

Ratingagentur misstraut Österreich

Vor allem eine neue Studie der Londoner Ratingagentur Moody's, die sich mit den Gefahren des Bankensystems in Osteuropa beschäftigt, sorgt für Wirbel. In der Studie, die weltweit an Analysten verschickt wurde, heißt es wörtlich: „Aus Gläubigersicht ist das österreichische Bankensystem nach Auffassung von Moody' s den größten Risken ausgesetzt.“ Die Agentur kündigte an, die Bonitätsnoten von Banken mit Osteuropa-Töchtern voraussichtlich zu senken, da sich die Konjunktur in der Region zusehends eintrübt. Unter den von Abstufungen bedrohten Institutionen befinden sich vor allem Wiener Banken wie Raiffeisen, Erste Bank und Bank Austria.

Finanzwerte schicken ATX auf Talfahrt

Wegen der schlechten Aussichten von Moody's sind die Aktien an der Wiener Börse auf breiter Front eingebrochen. Die Erste Bank setzt ihre Talfahrt mit einem Abschlag von 18,13 Prozent auf 7,00 Euro fort. Raiffeisen International rutschte ebenfalls 13,51 Prozent auf 13,00 Euro ab.

Ein Erste-Bank-Sprecher macht dafür „diese Moody's-Geschichte“ verantwortlich: „Wir können die Studie nicht nachvollziehen“, meinte Banksprecher Michael Mauritz: „Wir sind in Osteuropa vor Ort, wir beobachten die Lage ständig, wir sehen diese Szenarien nicht.“ Die Erste Bank dementierte Probleme bei ihren Osteuropa-Töchtern: „Wir sind eine profitable Bank, auch unsere Töchter machen ein gutes Geschäft.“

Neuer Anlauf für Ost-Schutzschirm

Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) kündigte daher an, in der EU einen neuen Anlauf für einen Osteuropa-Schutzschirm zu unternehmen. Er werde das Thema beim nächsten EU-Finanzministertreffen aufs Tapet bringen. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) will beim Europäischen Rat am 1. März ebenfalls eine Initiative starten. „Wir können es uns nicht leisten zu warten, bis der Ernstfall eintritt und erst dann beginnen, eine Diskussion zu führen“, so Pröll. Einen „Plan B“ habe er nicht.

Bislang hielt sich aber in der EU die Begeisterung in Grenzen. Eine Attacke ritt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl gegen den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der Österreichs Vorstoß abgelehnt hatte. „Steinbrück ist auf zwei Augen blind, auf dem europäischen, aber auch auf dem deutschen Auge“, sagte Leitl. Auch Deutschland müsse ein Interesse daran haben, die Situation in Osteuropa stabil zu halten, denn das Land sei der größte Exporteur in die Region.

 

Stresstests in der Ukraine

In der Ukraine – das Land steht vor dem Bankrott – hat die Aufsicht inzwischen bei allen Banken Stresstests durchgeführt. Demnach müssen die ausländischen Institute bei ihren Töchtern bis Mai 1,4 Mrd. Euro nachschießen. „Bei uns handelt es sich um einen moderaten Betrag“, sagt ein Raiffeisen-Sprecher. Genaue Zahlen nannte er aber nicht.

Dennoch zieren sich Österreichs Banken, das Hilfspaket der Regierung in Anspruch zu nehmen. Die Volksbanken haben schon zum zweiten Mal dazu eine Aufsichtsratssitzung verschoben. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hatte zuletzt die strengen Auflagen kritisiert. Vor allem die Zinszahlungen von 9,3 Prozent sorgen für Ärger.

Alfred Reisenberger, Chefanalyst des Brokerhauses Chevreux, warnt davor, dass Österreichs Banken am Markt übrig bleiben. Das Hilfspaket anzunehmen, würde helfen. Reisenberger schließt nicht aus, dass hinter den Kulissen schon an einer Teilverstaatlichung gebastelt wird.

AUF EINEN BLICK

Schuldenmachen wird für Österreich immer teurer. Denn die Risikoaufschläge für Staatsanleihen haben im Vergleich zu Deutschland ein Rekordniveau erreicht. Analysten nennen die engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit Osteuropa als Grund. Für Wirbel sorgt eine neue Studie der Ratingagentur Moody's, die vor den Gefahren des Bankensystems in Osteuropa warnt. Die Erste Bank kann die Analyse nicht nachvollziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2009)

Kommentar zu Artikel:

Banken: Die Angst vor dem Crash in Osteuropa

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen