VW: "Einmal Krise und zurück"

Der Volkswagen-Konzern setzte 2017 so viele Fahrzeuge ab wie noch nie in der Geschichte. Jetzt konzentriert man sich auf Elektroautos und baut weltweit 16 Produktionsstandorte.

Ja, er sitzt richtig: VW-Konzernchef Müller bei der gestrigen Jahrespressekonferenz.
Ja, er sitzt richtig: VW-Konzernchef Müller bei der gestrigen Jahrespressekonferenz.
Ja, er sitzt richtig: VW-Konzernchef Müller bei der gestrigen Jahrespressekonferenz. – (c) REUTERS (HANNIBAL HANSCHKE)

Berlin. Wenn man Matthias Müller so zuhört, könnte man glauben, dass der Volkswagen-Konzern nie etwas anderes war als ein Vorreiter der Elektromobilität. Bis 2025 will das Unternehmen laut Aussagen seines Vorstandsvorsitzenden 50 reine Elektroautos auf den Markt bringen, drei Millionen E-Autos wolle man pro Jahr bauen, allein für die Batterieherstellung in Europa und China hat man bisher bereits Aufträge im Wert von 20 Milliarden Euro vergeben.

Und wem hat man diese Investitionen in einen saubereren Verkehr eigentlich zu verdanken? Der Dieselkrise! Die Abgasbetrügereien von VW hatten am Ende also doch etwas Gutes, wenn es nach dem Konzernchef geht. Denn diese Krise sei „ein Wendepunkt und ein Weckruf“ gewesen, meinte Müller gestern bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Berlin. „Erst die Krise hat Veränderungen bei VW möglich gemacht, die bei uns vorher nicht denkbar oder zumindest nicht durchsetzbar gewesen wären.“ Konkret: die Konzentration auf die E-Mobilität.

 

Absatzrekord bei Autos

Die Abgasbetrügereien scheinen mittlerweile vergessen – bei den Kunden sowieso, die auch im vergangenen Jahr wieder mehr Autos vom Wolfsburger Konzern gekauft haben als je zuvor (10,7 Millionen Fahrzeuge, ein Plus von 4,3 Prozent). Sie bescherten dem Unternehmen damit einen Rekordumsatz (230,7 Mrd. Euro) und das beste operativ Ergebnis der Geschichte (13,8 Mrd. Euro). Der VW-Konzernführung selbst war die „Dieselkrise“ bei der Pressekonferenz in Berlin nur noch ein paar Minuten Redezeit wert.

Ja, man sei mitverantwortlich dafür, dass sich die Debatte über den Diesel „derart zugespitzt“ hat, erklärte Müller. Man arbeite an der Lösung der Krise, vor allem an der rechtlichen Aufarbeitung. Weil man Teil der Lösung sein wolle, versprach der VW-Chef unter anderem kostenlose Software-Updates für vier Millionen ältere Dieselfahrzeuge. Damit könne man die Stickoxidbelastungen um bis zu 30 Prozent senken. Hardware-Umrüstungen dagegen hält er für „nicht sinnvoll“, weil sie zu kompliziert seien und in der Wirkung zu lange dauerten.

Stattdessen soll die Luft in den Städten mit den E-Autos besser werden, die VW ab 2019 mehr oder weniger im Monatstakt neu vorstellen will (schon heuer kommen drei reine E-Autos auf den Markt, darunter der mit Spannung erwartete E-tron von Audi). Die „Roadmap E“, wie sie VW nennt, sieht weltweit 16 Produktionsstandorte für E-Autos bis 2022 vor, insgesamt investiert man 34 Milliarden Euro.

Ein Problem bei der Sache erklärte Finanzvorstand Frank Witter: „Man kann mit Elektrofahrzeugen derzeit kein Geld machen.“ Der Grund sind die hohen Materialkosten. VW sei, wie alle Autokonzerne, in einer Umbruchphase, derzeit sei man am Übergang zu einem neuen Unternehmen.

Deswegen werden die Verbrennungsmotoren auch nicht so schnell verschwinden. Allein 2018 fließen fast 20 Mrd. Euro in das konventionelle Fahrzeugportfolio, über die nächsten fünf Jahre werden es über 90 Mrd. sein. Müller bekräftigte, dass er an eine Renaissance des Diesels glaube. Der Antrieb habe viele Vorteile – etwa wegen des geringeren Verbrauchs –, er sei in der aktuellen Bauweise sauber, es gebe keinen Grund, keinen Diesel zu kaufen. „Der moderne Diesel ist Teil der Lösung und nicht das Problem.“

Das gute Abschneiden des Konzerns im vergangenen Jahr beschrieb Müller als „einmal Krise und zurück“. Der Abgasskandal kostete den VW-Konzern 2017 nur noch halb so viel Geld wie im Jahr davor, die Ausgaben betrugen 3,2 Mrd. Euro. 2016 lag die Summe, die für Rückkäufe und Nachrüstungen manipulierter Autos sowie juristische Risken ausgegeben wurde, bei 6,4 Mrd. Euro.

 

Trump hilft VW

Auch Donald Trump trug ein wenig zum guten Abschneiden bei. Dank der Steuerreform, die der US-Präsident auf Schiene brachte, konnte der Volkswagen-Konzern einen positiven Effekt von einer Milliarde Euro auf den Nettogewinn verbuchen. Bei den von Trump angedrohten Strafzöllen auf Autos will VW abwarten.

Vom guten Ergebnis profitiert auch der Vorstand, dessen Bezüge um fast ein Drittel auf etwa 50 Millionen Euro steigen. Müller erhielt als Vorstandsvorsitzender eine Vergütung von 10,14 Millionen Euro, ohne Sonderzahlungen sind es 9,5 Mio. Euro, knapp unter der Deckelung von zehn Mio. Euro.

AUF EINEN BLICK

Der Volkswagen-Konzern setzte mit seinen Marken (u. a. VW, Škoda, Seat, Porsche, Audi) im vergangenen Jahr 10,7 Millionen Fahrzeuge ab und erzielte damit einen Umsatz von 230,7 Mrd. Euro, ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber 2016. Der operative Gewinn stieg um 6,7 Mrd. Euro auf 13,8 Mrd. Euro. Für den Dieselskandal musste das Unternehmen 3,2 Mrd. Euro ausgeben, 2016 waren es noch 6,4 Mrd. Euro. Vom guten Ergebnis profitiert auch der Vorstand, der gesamt fast 50 Mio. Euro erhält.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2018)

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