Kaufhof-Deal: Und jährlich grüßt René Benko

Erst Kika/Leiner, jetzt Kaufhof? Benko will es wieder wissen - und hat gute Karten.

René Benko könnte von der Krise bei Kaufhof profitieren.
René Benko könnte von der Krise bei Kaufhof profitieren.
René Benko könnte von der Krise bei Kaufhof profitieren. – (c) HANS KLAUS TECHT / APA

Wien. Folgende Geschichte könnte vielen bekannt vorkommen: Ein Kreditversicherer verliert das Vertrauen in die Zukunft der versicherten Handelskette. Ein Retter tritt auf den Plan und unterbreitet der angeschlagenen Kette ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann.

Nicht immer endet die Geschichte mit einem Happy End – wie vergangene Woche beim österreichischen Möbelhändler Kika/Leiner. Nicht immer kommt der Tiroler Immobilieninvestor René Benko als Retter gelegen. Als derselbe Kreditversicherer Euler Hermes der deutschen Kaufhauskette Kaufhof die Garantien zusammenstrich, hieß es auf Benkos drei Mrd. Euro schweres Offert hin, es sei „unvollständig, nicht bindend und unerwünscht“.

Das war vergangenen Herbst. Die kanadische Kaufhof-Mutter, Hudson's Bay Company (HBC), machte ihren Standpunkt deutlich: „Wir haben kein Interesse und keine Pläne, unser Geschäft an irgendjemanden zu verkaufen – Punkt!“ Glaubt man Insidern, könnte sich das geändert haben.

Seit Montag häufen sich Meldungen, dass Benkos Signa-Gruppe und die Kaufhof-Mutter HBC verhandeln. Ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem Benko, der Eigentümer des Kaufhof-Rivalen Karstadt, die 51-prozentige Mehrheit hält, soll im Raum stehen. Bei Signa war am Dienstag niemand zu erreichen, ein Kaufhof-Sprecher wollte die Meldungen gegenüber der „Presse“ nicht kommentieren.

Zufall oder Plan: Am Dienstag traf auch die neue HBC-Chefin, Helena Foulkes, zu Besuch in Deutschland ein. Die Vermutung lag nahe, dass sie das europäische Management über die Fusion mit Signa informierte.

Aber wieso sollten die Kanadier, die mit HBC die älteste nordamerikanische Handelskette betreiben und Kaufhof als europäische Visitenkarte erwarben, ihre Meinung ändern? Die Antwort könnte lauten: Sie haben erkannt, dass sie sich verrechnet haben – und Benko bietet ihnen mit dem Hälfte-Deal eine gesichtswahrende Lösung. Ihre Versprechen zum Antritt 2015 – das frische Geld, die Modernisierung der deutschen Innenstadttempel, die Forcierung des Internetauftritts im Kampf gegen die Onlineriesen – blieben die Kanadier schuldig.

Von der einen Milliarde Euro, die nach Europa fließen sollte, fand nur ein Bruchteil in die 96 Filialen. Kaufhof rutschte in die roten Zahlen. Im ersten Quartal 2018 sank der Umsatz trotz Sanierungsbemühungen weiter. „Das Ergebnis ist für uns enttäuschend“, gestand Kaufhof-Chef Roland Neuwald.

 

Die Rollen sind vertauscht

Während der angekündigte Aufschwung auf sich warten ließ, bewies Benko ein Händchen für Handel. 2014 hatte er Karstadt übernommen. Heuer verkündete der von ihm eingesetzte Chef, Stephan Fanderl, stolz, man schreibe nach zwölf Jahren mit harten Einschnitten wieder 1,4 Mio. Euro Gewinn. Das ist ein Achtungserfolg, wenn man bedenkt, dass die Kette totgesagt war und 2009 Insolvenz anmelden musste. Die Rollen sind getauscht: Jetzt ist es die einst gut gehende Kaufhof-Kette, die Schließungen, Personalabbau und Sanierungsprogramm vor sich hat.

Der Deal werde kommen, betonte Benko vor einem Jahr. Da war er mit seinem Traum einer „Deutschen Warenhaus AG“ – der Fusion von rund 180 Karstadt- und Kaufhof-Filialen – bereits zweimal gescheitert. An Geld und Selbstvertrauen mangelte es nicht. Erfahrung mit der Branche hat Benko, der sein Imperium 1999 mit Immobilien begründete, auch genug. Neben Karstadt gehören seiner privaten Signa heute die deutschen KaDeWe-Luxuskaufhäuser, mit denen Benko ebenfalls gern auf europäischem Niveau expandieren würde. Dazu kommen Sport- und Onlineshops.

Immobilien und Handel weist Signa als seine zwei Kerngeschäftsbereiche aus. Zu einem Immobilienvermögen von zwölf Mrd. Euro und einem Projektvolumen von weiteren acht Mrd. Euro kommen 25.000 Mitarbeiter und 4,5 Mrd. Euro Handelsumsatz. Benkos klare Anweisung an Kaufhof-Manager Fanderl lautete schon 2015: Wir wollen beim Umsatz zweistellige Milliardenbeträge erreichen.

Im Bieterrennen um Kaufhof dürfte HBC auch von der Angst profitiert haben, dass der Immobilientycoon nur auf die Standorte spitzt. Solche Kritik ist leiser geworden. Sollte die Warenhaus AG Realität werden, sind die Stellen der 18.000 Kaufhof-Mitarbeiter aber dennoch nicht sicherer als während der laufenden Sanierung. Handelsforscher rechneten vor: Sollen die 180 Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt neben dem Onlinehandel rentabel sein, muss Benko die Hälfte schließen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2018)

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