Rasante Rekordjagd: Bitcoin bald schon bei 13.000 Dollar

Die baldige Einführung von Terminkontrakten auf Bitcoins sorgt für Auftrieb bei der Digitalwährung - denn damit stößt die Digitalwährung ins traditionelle Finanzgeschäft vor.

Schließen
REUTERS (Dado Ruvic)

Der Kurs des Bitcoin ist am Mittwoch erstmals über 12.000 Dollar gestiegen. Auf der bekannten Handelsplattform Bitstamp kletterte der Wert einer Einheit der Digitalwährung bis Mittag um mehr als neun Prozent auf 12.882 Dollar. Die baldige Einführung von Terminkontrakten auf Bitcoins sorgt für Auftrieb bei der Digitalwährung - denn damit stößt die Digitalwährung ins traditionelle Finanzgeschäft vor.

Zu Jahresbeginn stand der Wert des Bitcoin noch bei 1.000 Dollar. Seither ist er auf einer rasanten Rekordjagd. Dabei schwankt der Kurs allerdings extrem. Auf und Abs um ein Fünftel an einem Tag sind keine Seltenheit. Notenbanker und Vertreter von Regulierungsbehörden warnen deshalb vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Zuletzt bezeichnete der Chef des nordeuropäischen Bankkonzerns Nordea, Casper von Koskull, den Bitcoin als "absurde" Konstruktion, die jeder Logik widerspreche.

 

Rechnung kommt früher oder später

Der Hype um Bitcoin & Co ist für viele Experten nicht nachvollziehbar: "Ich kann die Assets nicht als Währungen bezeichnen, und ich befürchte, dass früher oder später ein Preis für übertriebene Spekulationen gezahlt werden muss", sagte EZB- Direktoriumsmitglied Yves Mersch zu Bitcoin im Interview mit Bloomberg TV.  "Einige Leute wollen private Vermögenswerte haben, bei denen wir nicht wissen, wer der Emittent ist und wofür sie stehen und wie sie abgesichert sind; es ist die persönliche Freiheit aller, auf Vermögenswerte zu spekulieren".

Bitcoin werde von "Geschichten, die das Leben schreibt" angetrieben, zieht die Menschen wegen ihrer regierungsfeindlichen, computergesteuerten, unregulierten Natur an, sagte Robert J. Shiller, Nobelpreisträger und Ökonom in Yale, auf der Fintech-Konferenz in Vilnius. "Ich weiß nicht, wo es aufhören wird. Es wird weit nach oben gehen, wie die Börse in den 1920er Jahren. Wir werden irgendwann ein Jahr 1929 erreichen. Aber dann wird es nicht auf Null gehen, es wird einfach runtergehen. Das ist keine sehr hilfreiche Prognose, aber sie basiert auf der Realität, dass Märkte von Geschichten angetrieben werden."

Wetten auf Bitcoin möglich

CME Group Inc. und Cboe Global Markets Inc. stehen unmittelbar davor, Bitcoin-Futures-Kontrakte anzubieten. Das dürfte Mainstream-Anlegern die Möglichkeit zu großen Wetten einräumen, während sich die Regulierungsbehörden mit Skeptikern auseinandersetzen müssen, die Bitcoins als Modeerscheinung und Betrug bezeichnen.

CME, größter Börsenbetreiber der Welt, und dem kleineren Wettbewerber Cboe, der für seine VIX-Volatilitätsprodukte bekannt ist, wurde die Erlaubnis erteilt, die Produkte anzubieten. Zuvor hatten sie den US-Aufsichtsbehörden versichert, dass sie die Gesetze einhalten werden.

CME erklärte, dass die Kontrakte des Unternehmens ab dem 18. Dezember, also in zwei Wochen, gehandelt werden können. Und Cboe sprach davon, dass die Firma "betriebsbereit" sei und bald ein Startdatum ankündigen werde. Cantor Exchange, eine Tochtergesellschaft von Cantor Fitzgerald, wird ebenfalls binäre Bitcoin-Optionen anbieten.

Die Ankündigungen sind ein Wendepunkt für Wall-Street- Profis, einschließlich institutioneller Investoren und Hochgeschwindigkeits-Händler, die ein starkes Interesse bekundet hatten, auf Kryptowährungen und ihre wilden Schwünge zu wetten, sich aber sorgten, dies in überwiegend unregulierten Märkten zu tun. Die neuen Produkte werden nun zugleich auch die Regulierung des Segments vorantreiben, wobei die am Freitag angekündigten Kontrakte der Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) unterliegen werden. Alle drei Börsen versprachen, der Behörde zu helfen, den zugrunde liegenden Bitcoin-Markt zu überwachen.

"Bitcoin, eine virtuelle Währung, ist eine Ware, die anders ist als alles, womit sich die Behörde in der Vergangenheit befasst hat", sagte der CFTC-Vorsitzende Chris Giancarlo in einer Mitteilung. "Wir erwarten, dass die Terminbörsen - durch Vereinbarungen zum Informationsaustausch - die Handelsaktivitäten auf den relevanten Cash-Plattformen überwachen werden."

Der Handel mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist bislang weitgehend unreguliert, und das ist auch der Punkt dabei. Bitcoin wurde im Zuge der Finanzkrise von 2008 eingeführt, um Regierungen und Zentralbanken zu umgehen. Jetzt, mit dem kometenhaften Aufstieg und der Verbreitung von Kryptowährungen, wollen Banken, Broker und Mainstream-Investoren auf den Zug aufspringen. Und sie wollen Regulierung - etwas, was sie an einem Markt wie CME oder Cboe reichlich bekommen werden.

Im Rahmen eines Prozesses, der als Selbstzertifizierung bezeichnet wird, versicherten die Börsen der CFTC, dass die neuen Produkte den Regeln entsprechen. Während es technisch keine CFTC-Genehmigung erforderte, hätte die Regulierungsbehörde die Pläne ausbremsen können, wenn sie nicht zufrieden gewesen wäre. Die Ankündigung vom Freitag erlaubt es den Börsen nun, ihre Vorhaben weiter voranzutreiben.

"Markt wird gesünder"

"Die Einführung der Futures wird den Markt tatsächlich gesünder machen", erklärte Cboe-Präsident Chris Concannon in einem Interview mit Bloomberg. "Es wird ein Preisgleichgewicht auf dem Markt schaffen. Kunden, die Bitcoin halten, haben derzeit keine Möglichkeit, ihr Risiko abzusichern. Diese Produkte ermöglichen es ihnen nun, sich abzusichern und gegensätzliche Positionen zu beziehen. Noch wichtiger ist es, dass es eine Welle regulatorischer Aufsicht bringen wird."

Die US-Finanzaufsichtsbehörden hatten jahrelang mit der Frage gekämpft, was genau Bitcoin ist und welche Risiken sie birgt. Das warf bei Enthusiasten und Finanzexperten gleichermaßen die Frage auf, welche Regierungsbehörden versuchen könnten, den schnell wachsenden Markt zu überwachen. Neben der CFTC gibt es die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission, die Steuerbehörde Internal Revenue Service und FinCEN des Finanzministeriums, das illegale Zahlungen verfolgt.

Die neuen Derivate werden institutionellen Investoren die Tür zum Markteintritt öffnen, was den Preis wahrscheinlich noch weiter ansteigen lässt, sobald mit dem Handel begonnen wird, meinte Naeem Aslam, Chefanalyst bei TF Global Markets in London.

"Das wird eine große Summe Geld in diesen Bereich bringen", sagte Aslam. "Es sendet die Botschaft aus, dass das Produkt einer gewissen Regierung unterliegt. Und es wird an der gleichen Börse gehandelt, an denen auch andere seriöse Derivate gehandelt werden."

Was Erste-Chef Treichl von Bitcoin hält

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Lesen Sie mehr zum Thema
Meistgelesen
    Meistgekauft
      Kommentar zu Artikel:

      Rasante Rekordjagd: Bitcoin bald schon bei 13.000 Dollar

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.