Wiener Pharmaunternehmen Sanochemia mit Gewinnwarnung

Das Ergebnis drehte 2018 auf minus 13 Millionen Euro. Auch der Umsatz ist eingebrochen. Großaktionär Timo Bender soll neuer CEO werden.

Sanochemia plant auch eine Kapitalerhöhung.
Sanochemia plant auch eine Kapitalerhöhung.
Sanochemia plant auch eine Kapitalerhöhung. – (c) Foto Franz Pfluegl (Franz Pfluegl)

Der teilweise Produktionsstillstand im April 2018 hat das an den Börsen in Wien und Frankfurt notierte Wiener Pharmaunternehmen Sanochemia Pharmazeutika AG schwerer getroffen als zunächst erwartet - nun muss Sanochemia eine Gewinnwarnung ausgeben: Das operative Ergebnis (EBIT) sank 2018 von 1,2 Mio. Euro weit unter die Nulllinie auf -13 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Teilweise Produktionseinstellung

Im April habe man wegen Verunreinigungen bei einem selbst hergestellten Produkt auf behördliche Anweisung die Produktion teilweise einstellen müssen, erklärte Technik- und Finanzvorstand Stefan Welzig am Mittwoch gegenüber der "APA" und dem "Standard". "Davon waren hauptsächlich die Bereiche Lohnherstellung und Veterinär betroffen, der Bereich Human nur wenig bis gar nicht." Eine Gesundheitsgefährdung für Menschen habe es nie gegeben. "Das Problem ist jetzt schon gelöst und es kann nicht mehr vorkommen", versicherte Welzig.

Zunächst habe man durch die Produktionseinschränkung auf Grund der Qualitätsmängel keine großen Auswirkungen erwartet, tatsächlich habe sie aber "dazu geführt, dass wir mehr oder weniger den ganzen April nicht produziert und ausgeliefert, sondern an Verbesserungen und Investitionen in unsere Qualitätssicherungssysteme gearbeitet haben". Ende September habe es dann weitere Verzögerungen bei der Auslieferung gegeben, weil man weiter an der Verbesserung der Qualitätssicherheitssysteme gearbeitet habe.

Der Umsatz brach im Gesamtjahr von 41 Mio. auf 33 Mio. Euro ein, das EBITDA werde voraussichtlich bei -5 Mio. Euro liegen (nach 3,6 Mio. Euro im Vorjahr). "Aufgrund der komplexen Bilanzprüfung wird die Vorlage der Bilanz von 18.1.2019 auf den 14.2.2019 verlegt", heißt es in der heutigen Mitteilung.

"Wir haben keine Großkunden verloren", sagte Vertriebsvorstand Klaus Gerdes. "Bei einem Kunden sind wir in Verhandlungen über die Neuaufnahme von Lieferungen, da hat es tatsächlich die Stornierung einer Bestellung gegeben. Sehr umsatzwesentlich für die Zukunft ist das aber nicht."

Kapitalerhöhung geplant

"Wenn man eine Zeit lang Geld ausgeben muss, aber keines hereinkommt, dann ist das immer eine unangenehme Sache", kommentierte Welzig die Lieferausfälle im April. "Wir haben das durch intensives Working-Capital-Management aber gut handhaben können."

Um die bereits angekündigten Pläne zur Umsatzausweitung ohne Geldsorgen umsetzen zu können, werde es eine Kapitalerhöhung geben, durch die der Aktionär b.e.imaging seinen Anteil von derzeit rund 13,5 Prozent auf 28 Prozent erhöhen wird und damit zum größten Einzelaktionär wird. Geplant ist eine Erhöhung des Grundkapitals von derzeit 12.872.053 Euro um 2.777.778 Euro durch die Ausgabe von 2.777.778 neuen Aktien zu einem Ausgabebetrag von 1,80 Euro je Aktie und damit mit einem Aufschlag von 32,4 Prozent zum Schlusskurs der Aktie vom 7. Jänner 2019. Der Gesamtbetrag, zu dem die neuen Aktien ausgegeben werden, beträgt 5 Mio. Euro.

Der geschäftsführende Gesellschafter von b.e.imaging, Timo Bender, soll zum CEO der Sanochemia bestellt werden. Das sei für Ende Jänner/Anfang Februar geplant, sagte Gerdes. Weitere Veränderungen im Vorstand seien nicht geplant, "der bestehende Vorstand bleibt".

Unternehmen sitzt auf hohem Lagerbestand

Die b.e.imaging ist ein Anbieter von Kontrastmitteln, Medizinprodukten und Dienstleistungen für die Radiologie und Urologie mit Schwerpunkt Deutschland, Österreich, Schweiz und selbst Abnehmer von Sanochemia-Produkten. "Mit der Firma arbeiten wir schon seit sechs Jahren zusammen, das ist ein großer Kunde von uns", sagte Gerdes. Auch b.e.imaging sei von der Aussetzung von Lieferungen im September betroffen gewesen.

Weil im September zwar zum Teil nicht ausgeliefert, aber weiter produziert worden sei, habe man einen großen Lagerbestand aufgebaut, der nun abgebaut werde, wodurch man wieder Cash hereinbekommen werde, sagte Welzig. Für die Verbesserung der Qualitätssicherung habe man im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als eine Million Euro ausgegeben. Für eventuelle Pönalzahlungen gebe es Rückstellungen im Wert von knapp unter 2 Mio. Euro. Laut Gerdes wurde mit Kunden vereinbart, mögliche Pönalzahlungen auch durch Warenlieferungen über längere Zeiträume zu begleichen.

Durch den Verlust im Vorjahr wird die Eigenkapitalquote laut Welzig von 62 Prozent auf 49 Prozent sinken, durch die Kapitalerhöhung dann aber auf 53 Prozent steigen.

"Wir haben uns ein Eigentor geschossen", sagte Gerdes. "Aber wir gehen davon aus, dass wir die Umsatzdelle schon in diesem Geschäftsjahr zum größeren Teil wieder ausbügeln können." Erhöhen will man vor allem den Anteil der Lohnfertigung für Dritte, der sich im vergangenen Jahr auf 10 Prozent nahezu halbiert hat.

(APA)

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