Aktionäre wollen entlastet werden

Die Vertreter der Aktionäre und der Industrie wollen die Steuern fallen sehen. Die Aktionäre wünschen sich zudem jene Schonfrist zurück, die nach der Finanzkrise gefallen war.

Die Vertreter der Aktionäre und der Industrie wollen die Steuern fallen sehen.
Die Vertreter der Aktionäre und der Industrie wollen die Steuern fallen sehen.
Die Vertreter der Aktionäre und der Industrie wollen die Steuern fallen sehen. – APA/HANS PUNZ

Wien. Sie trifft Sparer genauso wie Anleger – aber nur Zweitere bemerken sie wirklich. Die Rede ist von der Kapitalertragsteuer (KESt). Bei Konto und Sparbuch wird diese einmal pro Jahr abgezogen. 25 Prozent aller Zinsen nimmt sich der Staat. Einzig: Zinsen existieren nur noch auf homöopathischen Levels. Wo nichts ist, kann man auch nichts abgeben. Nebeneffekt der Nullzinsen: So manche versuchen sich auf den Aktienmärkten, wo seit der Finanzkrise wieder Wachstum herrscht. Hier nimmt sich der Staat am Ende aber sogar 27,5 Prozent. Obwohl das Risiko auf dem Aktienmarkt ungleich größer ist als beim Sparen. Das wollen Aktienforum und Industriellenvereinigung ändern.

Sie forderten bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien eine Schonfrist für Aktionäre. Wer ein Wertpapier mehr als fünf Jahre im Portfolio hält, solle ungeschoren davonkommen, lautet der Vorschlag. Er geht in Richtung Regierung, die gerade eine Steuerreform ausarbeitet. Gleichzeitig sollte die KESt auf Aktien wieder auf 25 Prozent gesenkt werden – auch für jene, die ein Papier keine fünf Jahre halten. „Die Diskriminierung von Einkünften aus Kapitalvermögen gegenüber einem Sparbuch trägt dazu bei, dass wir wenig Aktionäre haben“, sagte Robert Ottel, Präsident des Aktienforums und CFO der Voestalpine. Eine Spekulationsfrist würde deshalb zur Attraktivierung des Kapitalmarkts führen, so Ottel. „Das würde auch der Altersvorsorge dienen.“

Der Vorschlag ist weder neu noch extrem. Bis 2011 galt für Wertpapiere eine Spekulationsfrist von nur einem Jahr. Wer binnen dieser Periode Gewinne einfuhr, musste diese als Einkommen versteuern. Nach einem Jahr waren die Gewinne dann steuerfrei. Für manche Assets, etwa Gold oder Kryptowährungen, gilt diese Regel bis heute. Die Wiener Börse macht in dieser Richtung seit Langem Druck. Börse-Chef Christoph Boschan forderte schon im Oktober die Reduzierung der KESt.

Zudem legte er den Vorschlag eines KESt-Freibetrags auf den Tisch. Auch die Spekulationsfrist will Boschan zurück. Koppeln würde er das mit einem unbegrenzten Verlustvortrag. Derzeit kann man Aktienkursgewinne nur innerhalb eines Jahres mit angefallenen Verlusten gegenrechnen.

 

Banken und Eigenkapital

Aber nicht nur die Aktionäre wünschen sich Steuererleichterungen – auch die Unternehmer. Eine Senkung der Körperschaftsteuer (KÖSt) in „spürbarem Ausmaß“ sei angebracht, sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer am Mittwoch. Derzeit beträgt die Körperschaftsteuer für Unternehmen 25 Prozent. Vertretern der Wirtschaft ist das zu hoch. „Wir bewegen uns deutlich über dem europäischen Durchschnitt von knapp 22 Prozent“, so Neumayer. Die Wirtschaftskammer geht noch weiter und fordert 19 Prozent. Die Regierung hat Maßnahmen zur Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes erst für 2022 angekündigt. Die IV wünscht sich die KÖSt-Senkung früher.

Zur Untermauerung ihrer Forderung haben IV und Aktienforum beim Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die Quellen der Unternehmensfinanzierung aufzeigt. Das Ergebnis: Österreichische Unternehmen finanzieren sich zu einem Drittel durch Eigenkapital und zu einem Drittel über Bankkredite, wobei die Finanzierung über Kredite seit der Finanzkrise 2008 abgenommen hat. Das liege nicht an strengeren Vorschriften für Banken bei der Kreditvergabe, sondern es seien seitens der Unternehmen weniger Kredite nachgefragt worden, sagte Thomas Url vom Wifo. „Die Eigenfinanzierungskraft der Unternehmen ist sehr gut“, so Url. (jil/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2019)

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