Wiener Aktien oft unterschätzt

Österreichs Banken- und Immobilienaktien seien noch immer günstig, findet Klaus Umek, Gründer von Petrus Advisers. Überhaupt locke der heimische Markt mit etlichen Chancen.

Klaus Umek sieht bei heimischen Firmen viel Potenzial – etwa bei Banktiteln oder der OMV.
Klaus Umek sieht bei heimischen Firmen viel Potenzial – etwa bei Banktiteln oder der OMV.
Klaus Umek sieht bei heimischen Firmen viel Potenzial – etwa bei Banktiteln oder der OMV. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Der mediale Rummel rund um die Wiener Börse ist kaum zu überhören. Vor wenigen Monaten stand der Übernahmeversuch der B&C-Stiftung durch den Investor Michael Tojner im Rampenlicht. Die Stiftung hält Mehrheitsanteile an Semperit, Lenzing und der Amag. Auch die Umwandlung der Staatsholding Öbib in die Öbag sorgt für Schlagzeilen. Über die nun als Aktiengesellschaft installierte Holding peilt die Regierung wieder ein aktiveres Beteiligungsmanagement an. Damit steigt auch der politische Einfluss an den Staatsfirmen Post, Telekom Austria, OMV, Casinos Austria, BIG und Verbund.

Ob diese Entwicklung andere Großaktionäre womöglich abschrecken könnte? Keinesfalls, findet Klaus Umek, Geschäftsführer der Investmentfirma Petrus Advisers und Fondsmanager des UI Petrus Advisers Special Situations Fonds. Erst im November kaufte der Fonds OMV-Aktien. Der Kurs war stark gefallen, während der Ölpreis allmählich nach oben drehte. „Da nutzten wir die Gelegenheit“, sagt Umek im Gespräch mit der „Presse“. Er räumt dem Konzern noch jede Menge Potenzial ein. Rainer Seele mache als Vorstandschef einen exzellenten Job, während die Öbib – die am Konzern 31,5 Prozent hält – den Manager in Ruhe habe arbeiten lassen.

 

Ein Drittel heimische Aktien

Insgesamt ist der Petrus-Fonds zu gut einem Drittel in heimische Aktien investiert, manchmal sind es sogar mehr. Dabei möchte Umek auch Veränderungen bewirken. Vor allem, wenn Aktionärswert vernichtet werde. Weshalb durchaus auch einmal offene Briefe an das Management veröffentlicht werden. „Aber nur, wenn man auf unsere Vorschläge nicht hört“, sagt Umek. Bei Wienerberger war das offensichtlich der Fall. Gleich zwei Schreiben ließ der streitbare Investor 2018 veröffentlichen, in denen er unter anderem die Umsetzung eines Kostensenkungsprogramms des US-Beraters McKinsey forderte.

Dass man letztendlich bereit war, die Berater zu beauftragen, habe sich auch auf die Aktie positiv ausgewirkt, betont Umek. Er sieht aber noch reichlich Chancen: Unter anderem sollte das Geschäft mit dem privaten Hausbau vor allem in Deutschland noch länger anhalten, „da gibt es Aufholpotenzial“. Eine wesentliche Entwicklung, da Deutschland zu den Kernmärkten des Ziegelkonzerns zähle.

Mit solchen positiven Aussichten steht Wienerberger aber nicht allein da. Auch die CA-Immo könne von der Region profitieren. Dass die Immofinanz ihre knapp 30-prozentige Beteiligung 2018 verkauft habe, sei ein wichtiger Befreiungsschlag gewesen, ist Umek überzeugt. Nun könne sich die CA-Immo voll entfalten.

 

Bankenbranche „konsolidiert“

Schließlich seien die Grundstücksreserven in den wichtigen Metropolen München, Frankfurt und Berlin um gut 30 Prozent unterbewertet, da gebe es eine Menge Aufwertungspotenzial. Knapper Nachsatz: „Wir behalten jedenfalls die Aktie.“

Doch wie sieht es mit anderen Branchen aus, zum Beispiel mit dem Finanzsektor? Immerhin haben im Vorjahr zahlreiche Banken in Europa Gewinne geschrieben. Da hat Umek vor allem ein Auge auf heimische Titel geworfen. „Österreichs Bankenbranche hat stark konsolidiert, die Aufsicht nimmt ihre Arbeit äußerst ernst. Und die Wirtschaft wächst.“ Es verwundere ihn daher, dass der Kurs der RBI-Aktie nicht höher sei, zumal der Konzern Rekordgewinne erziele. „Und das Management kennt das Geschäft genau“, betont Umek, der zuletzt im Übrigen auch bei der Bawag eingestiegen ist.

Einzig bei der Erste Group habe man begonnen, die Position abzubauen. Unter anderem bereite die neue Bankensteuer in Rumänien Sorgen. Sie wurde mit Jahresbeginn 2019 eingeführt und trifft die Tochtergesellschaft BCR. Auch wolle Umek die weiteren Entwicklungen nach dem Abgang des langjährigen Chefs Andreas Treichl abwarten.

 

Skepsis bei Technologiewerten

Und weil das Fondsmanagement keine Chancen ungenutzt lässt, wird selbst auf fallende Kurse gesetzt, derzeit etwa bei ausgewählten Bauwerten. Das habe mit dem nahenden Zyklusende in dem Sektor zu tun, erklärt Umek. Genauso wenig traut er den jüngsten Technologie-Stars weiteres Potenzial zu. Deshalb wird auch bei Unternehmen wie Tesla und Home24 auf eine Korrektur gesetzt. Allmählich sollte man sich von der Idee verabschieden, keine Gewinne schreiben zu müssen, begründet Umek seine Einschätzung. Das sei jahrelang eine Illusion gewesen.

ZUR PERSON

Klaus Umek hat im Jahr 2009 die Investmentfirma Petrus Advisers LLP. gegründet. Er managt zudem den Publikumsfonds UI Petrus Advisers Special Situations.

Zuvor war Umek als Leiter von Goldman Sachs Investment Banking für Österreich und Osteuropa zuständig. Insgesamt blickt der Betriebswirt auf gut 20 Jahre an Branchenerfahrung zurück.

Sein PhD-Studium absolvierte Umek an der University of Chicago und der Wirtschaftsuniversität Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2019)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Wiener Aktien oft unterschätzt

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.