ING will die Commerzbank doch nicht mehr

Laut deutschen Medienberichten haben sich die Niederländer gegen eine Übernahme entschieden.

FILE PHOTO: The logo of ING bank is pictured at the entrance of the group's main office in Brussels
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REUTERS

Niemand will die Commerzbank haben. Die niederländische Großbank ING interessiert sich einem Pressebericht zufolge nun ebenfalls nicht mehr für die zweitgrößte deutsche Privatbank. Die Holländer hätten sich schon vor eineinhalb Monaten gegen eine Übernahme entschieden, berichtet das „Handelsblatt“.

Nach dem Platzen der Fusionsgespräche zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank Ende April habe sich auch das ING-Topmanagement dazu entschlossen, Deutschlands zweitgrößter Privatbank keine weiteren Avancen zu machen. Der Entscheidung seien zwei Treffen zwischen dem Vorstandschef der Commerzbank, Martin Zielke, und ING-Chef Ralph Hamers in den vergangenen Monaten vorausgegangen. Laut Insidern hätten sich die Firmenchefs darüber ausgetauscht, ob sie eine Vision für das Banking der Zukunft teilen und sich somit eine Zusammenarbeit vorstellen können.

Unicredit will auch nicht mehr

Details einer etwaigen Fusion wie der Standort einer gemeinsamen Zentrale seien nicht zur Sprache gekommen. Seit dem Platzen der Verhandlungen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank habe es keine weiteren Treffen von Zielke und Hamers gegeben. Als weiterer möglicher Bieter war die italienische UniCredit gehandelt worden. Doch auch die hat kein Interesse mehr: Der mögliche Kauf der Commerzbank sei ein „geschlossenes Kapitel“, zitierte die italienische Zeitung „Il Messaggero“ einen Insider aus dem Umfeld von Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier.

Die Commerzbank-Aktie reagierte in einem freundlichen Börsenumfeld gelassen. Seit einem Jahr hat sie aber ein Drittel verloren, seit der Finanzkrise 97 Prozent. Damals musste sie vom Staat gerettet werden.
Die deutsche Politik hatte sich zuletzt offen gezeigt für eine Übernahme der angeschlagenen Bank durch ein ausländisches Institut. Bei einem Gespräch des niederländischen Finanzministers Wopke Hoekstra mit dem deutschen Finanzstaatssekretär Jörg Kukies wurde die Möglichkeit einer Fusion besprochen, wobei auch die Sitzfrage einer fusionierten Bank in Deutschland zur Sprache kam, heißt es dazu in informierten Kreisen. Auch der deutsche Finanzminister Olaf Scholz soll vom ursprünglichen Ziel eines nationalen Champions Abstand genommen und stattdessen betont haben, dass Deutschland starke europäische Banken mit Sitz in Deutschland brauche. (ag./red.)

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