Der Goldpreis auf Rekordjagd

Politische Risken und niedrige Zinsen helfen dem Gold. In Euro steht der Preis knapp unter der Rekordmarke.

Der Goldpreis steigt rasant.
Der Goldpreis steigt rasant.
Der Goldpreis steigt rasant. – (c) REUTERS (DANIEL MUNOZ)

Wien. Jetzt geht es sehr schnell: Binnen zwölf Monaten ist der Goldpreis (in Euro) um rund 35 Prozent nach oben gegangen. Eine Unze hat sich seit September 2018 um 350 Euro verteuert. Am Dienstag stand der Euro-Goldpreis zeitweise bei 1360 Euro und damit nur noch knapp unterhalb der Rekordmarke. Die hatte Gold im Oktober 2012 bei 1385 Euro markiert.

In anderen Währungen, wie etwa dem britischen Pfund, hat der Goldpreis schon eine neue Bestmarke erreicht. Profitieren kann Gold von den politischen Risken und einem starken Rückgang der Renditen für Staatsanleihen. Im Dollar, der wichtigsten Währung auf dem Goldmarkt, lag der Preis am Dienstag zwischenzeitlich bei rund 1530 Dollar pro Unze. Die Bestmarke von 1900 Dollar ist also noch ein Stück entfernt, aber Gold ist auch in Dollar so teuer wie zuletzt im Frühjahr 2013. Nach positiven Nachrichten vom Handelskrieg ging es am Dienstag aber wieder Richtung 1500 Dollar.

 

Notenbanken helfen mit

„Die Nachrichtenlage lässt die Anleger weiter Zuflucht in den sicheren Hafen Gold suchen“, beschrieb Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank die Stimmung auf dem Markt. Zuletzt hatten die Regierungskrise in Italien, die Aussicht auf einen ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU und der Handelskonflikt zwischen den USA und China immer wieder Unsicherheit an den Finanzmärkten geschürt und vermeintlich sichere Anlagen gestützt. Die Folge ist auch ein erneuter Rückgang der Renditen bei Staatsanleihen. Dies macht Anlagen in Gold attraktiver.

Dazu kommt die weiterhin sehr lockere Geldpolitik weltweit. Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Zinsen kürzlich gesenkt – zum ersten Mal seit zehn Jahren. Auch die Europäische Zentralbank versucht, den Euro weichzureden, und hat weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Gleichzeitig kaufen viele Notenbanken weltweit große Mengen an Gold, um sich selbst vor möglichen Verwerfungen auf dem Markt zu schützen. Massive Käufer sind vor allem China und Russland, aber auch kleinere europäische Länder greifen zu. Darüber hinaus hat sich ein neuer Krisenherd aufgetan, der wohl auch für den steigenden Goldpreis mitverantwortlich ist: Eine überraschende Wahlschlappe für Argentiniens wirtschaftsliberalen Präsidenten, Mauricio Macri, hat für Alarmstimmung an den Finanzmärkten gesorgt und die Furcht vor einer weiteren Staatspleite des südamerikanischen Landes geschürt. (ag./jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2019)

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