Wienerberger treibt Stiftung voran

Der weltgrößte Ziegelproduzent, Wienerberger, fährt einen Rekordgewinn ein und erhöht seine Bemühungen, eine Mitarbeiterstiftung nach Vorbild der Voestalpine zu schaffen.

28 Prozent der Wienerberger-Mitarbeiter haben Aktien ihres Konzerns gekauft.
28 Prozent der Wienerberger-Mitarbeiter haben Aktien ihres Konzerns gekauft.
28 Prozent der Wienerberger-Mitarbeiter haben Aktien ihres Konzerns gekauft. – (c) REUTERS (Heinz-Peter Bader)

Wien. „Da schau ich neidisch zur Voest“, sagt Heimo Scheuch am Rande der Präsentation der Halbjahresergebnisse. Damit meint der Wienerberger-Vorstandschef freilich nicht das laufende Geschäft, denn im Gegensatz zur Voestalpine läuft es beim Wiener Ziegelproduzenten prächtig: Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 1,736 Mrd. Euro, der Nettogewinn hat sich mit 127 Mio. Euro mehr als verdoppelt.

Worum Scheuch den Linzer Stahlkonzern beneidet, ist die seit 19 Jahren bestehende Voestalpine-Mitarbeiterstiftung: Rund 25.000 aktuelle und ehemalige Voest-Mitarbeiter halten über dieses Beteiligungsvehikel knapp 15 Prozent am börsenotierten Konzern und sind damit nach der Raiffeisen Landesbank OÖ zweitgrößter Aktionär. Diese Form der Erfolgsbeteiligung ist nicht nur ein gutes Instrument, um die Identifikation und Motivation der Mitarbeiter hoch zu halten, es ist auch eine gute Absicherung, um im Fall der Fälle Produktionsstätten in Österreich zu halten oder um sich gegen ausländische Übernahmen zu stemmen.

 

CEO kauft kräftig Aktien zu

Die ersten Schritte in Richtung eines solchen hausinternen Kernaktionärs hat der Wienerberger-Chef bereits eingeleitet. Im März dieses Jahres wurde ein Pilotprojekt gestartet, bei dem allen Mitarbeitern in Österreich vier Wochen lang Wienerberger-Aktien angeboten wurden. Rund 28 Prozent haben diese Möglichkeit genutzt und für ein Investitionsvolumen von 1,94 Mio. Euro gesorgt. „Das ist für österreichische Verhältnisse erheblich. Es ist ja allgemein bekannt, wie advers Österreicher gegenüber Aktien eingestellt sind“, sagt Scheuch zur Presse. So soll die Initiative auch einen Teil dazu beitragen, der Bevölkerung die Ängste vor dem Kapitalmarkt zu nehmen. Er selbst ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat kürzlich rund 10.000 Wienerberger-Aktien für etwa 190.000 Euro zugekauft. Damit hält der Wienerberger-Chef Aktien des eigenen Unternehmens im Wert von rund drei Mio. Euro. Auch Finanzvorstand Willy Van Riet hält nach einem Zukauf mehr als eine Million Euro an dem Baustoffkonzern.

 

Mitarbeiter als Kernaktionäre

Die Idee, jene zu beteiligen, die für den Erfolg des Unternehmens arbeiten, bleibt indes nicht nur auf Österreich beschränkt. Der nächste Schritt ist ein Angebot an alle übrigen Wienerberger-Mitarbeiter: „Wir werden das Programm auch in West- und Osteuropa ausrollen“, sagt Scheuch. Er sei sich bewusst, dass es eine gewisse Zeit brauche, um eine für die Eigentümerstruktur relevante Anzahl an Mitarbeitern zu Aktionären zu machen, aber eine Größenordnung schwebt dem Wienerberger-CEO bereits vor: Um die fünf Prozent könnte eine solche Mitarbeiterstiftung in den kommenden zehn Jahren am Unternehmen halten. Es sei zudem ein gutes Instrument, um − neben den regulären Gehältern − weitere Spielräume für Vergütungsmodelle zu schaffen.

 

Staat hat Anreize geschaffen

Während die Voestalpine die Strukturen ihrer Mitarbeiterstiftung damals mühsam zurechtbasteln musste, hat der Gesetzgeber vor zwei Jahren die Rahmenbedingungen für solche Konstruktionen vereinfacht. Zudem können bis zu 4500 Euro pro Jahr in Form von Aktien an Mitarbeiter ausgezahlt werden, ohne dass dafür Lohnsteuer oder Sozialbeiträge anfallen. Wienerberger ist eines der ersten Unternehmen in Österreich, die das neue Gesetz für die Gründung der Mitarbeiterstiftung genutzt haben. Ein Konzept, das auch schon Interesse bei der Erste, OMV, Post, Telekom, ÖBB, RBI, Uniqua und VIG geweckt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2019)

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