Die Dividendenjagd hat begonnen

Zahlreiche Firmen in den Emerging Markets locken mit lukrativen Dividenden, sagt Fondsmanager Ian Simmons – eine Alternative zu Anleihen angesichts des Zinsentiefs.

Schwellenländer-Firmen agierten zunehmend aktionärsfreundlich, sagt Fondsmanager Ian Simmons.
Schwellenländer-Firmen agierten zunehmend aktionärsfreundlich, sagt Fondsmanager Ian Simmons.
Schwellenländer-Firmen agierten zunehmend aktionärsfreundlich, sagt Fondsmanager Ian Simmons. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Die Zahl ist durchaus stattlich: Das weltweite Volumen jener Anleihen, die inzwischen eine Minusrendite aufweisen, hat mehr als 16 Billionen Euro erreicht. Der Großteil davon entfällt – wenig überraschend – auf Emittenten aus den entwickelten Ländern. Allein in Österreich sind es 275 Milliarden Euro an Bonds, bei denen sich Anleger mittlerweile mit einer negativen Verzinsung abfinden müssen. Schuld daran ist die anhaltend ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken, wobei die Zinsen im Herbst sogar noch weiter gesenkt werden dürften.

Doch selbst die Schwellenländer blieben von der Entwicklung nicht mehr verschont, sagt Ian Simmons, Fondsmanager des Magna Emerging Markets Dividend Funds von Fiera Capital, im Gespräch mit der „Presse“. So habe es heuer etwa in Russland, den Philippinen oder Indonesien Zinssenkungen gegeben. Damit wird ein Anleiheinvestment auch in vielen Emerging Markets zunehmend unrentabel.

 

Höhere Dividendenrendite

Doch es gibt Alternativen. Immer öfter rücken dabei jene Aktien in den Fokus, bei denen Unternehmen nachhaltig hohe Dividenden an die Anleger zahlen. Freilich, ein absoluter Anleiheersatz ist ein derartiges Investment nicht, da man sich auch ein Aktienrisiko zutrauen muss. Zumindest aber machen die jüngsten Entwicklungen in den Schwellenländern ein entsprechendes Investment ein gutes Stück attraktiver.

Viele Firmen würden dort inzwischen aktionärsfreundlicher agieren und ihr Kapital auch zunehmend für Ausschüttungen einsetzen, betont Simmons. Immerhin beträgt die Dividendenrendite bei rund der Hälfte der Firmen aus den Schwellenländern mehr als drei Prozent. Und das ist höher als in den entwickelten Märkten.

Aber auch damit dürfte der Plafond noch nicht erreicht sein. Der Fondsmanager ist überzeugt, dass die Ausschüttungen der Schwellenländer-Aktiengesellschaften künftig noch weiter steigen werden, wobei das allgemeine Wirtschaftswachstum in den Regionen eine wichtige Stütze ist.

 

2,5 Prozent als Minimum

Trotzdem geht der Fiera-Capital-Experte selektiv vor. Er setzt vor allem auf Titel, die ein solides Gewinnwachstum von jährlich gut zehn Prozent auf die kommenden drei Jahre verzeichnen dürften und darüber hinaus interessante Dividendenrenditen aufweisen. Erreichen diese nicht zumindest 2,5 Prozent, kommt eine Aktie nach seinen Auswahlkriterien erst gar nicht infrage. Mit rund 4,5 Prozent liegt der Durchschnitt der Dividendenrenditen im Fonds aber ohnedies ein gutes Stück darüber.

Und wo wird der Profi mit seinen strengen Vorgaben fündig? Zu den aussichtsreichen Kandidaten zählen vor allem Aktien aus China. Vom US-Handelskrieg lässt Simmons sich dabei nicht abschrecken. Und das aus gutem Grund, wie der Emerging-Markets-Experte aufzeigt: „Wir veranlagen in jene Unternehmen, die ihren Fokus großteils auf den Binnenmarkt legen.“ Fündig wird Simmons in unterschiedlichen Branchen, etwa bei Casinobetreibern in Macau. Dazu zählen beispielsweise die Aktien von Sands China. Schließlich ist das Glücksspiel in China sehr beliebt, „und obendrein wurde die Infrastruktur für Macau ausgebaut“. Die Halbinsel sei jetzt besser erreichbar, die Casinos seien zudem „familienfreundlicher“ geworden. Und das lockt zunehmend Besucher in die zahlreichen Spielhallen.

Ein Investment in Chinas Versicherungsbranche hat für den Fondsmanager ebenfalls seinen Reiz. So profitiere etwa der Branchenriese Ping An kräftig vom Boom bei Lebensversicherungen und weiteren Vorsorgeprodukten. Denn viele Menschen in der Region haben noch keine private Altersvorsorge, der Aufholbedarf ist entsprechend groß.

 

Wechselkursrisiko beachten

Und wie sieht es in anderen Ländern aus? Auch in Brasilien nutzt Simmons reichlich Chancen, etwa mit IRB Brasil RE, Brasiliens größtem Rückversicherer, der seit dem vergangenen Sommer vollständig privatisiert ist. Der globale Hafenbetreiber ICTS mit Sitz in den Philippinen konnte wiederum seine globale Expansionsstrategie Ende 2018 beenden. Nun dürften Schulden abgebaut und Dividenden ausbezahlt werden.

Simmons mahnt aber auch, die Risken in den Schwellenländern nicht zu unterschätzen – etwa, was den Wechselkurs betrifft. Er findet allerdings, dass nach den Abwertungen der vergangenen Jahre das Schlimmste gegenüber Hartwährungen ausgestanden sein dürfte. Zudem müssen Anleger grundsätzlich hohe Kursschwankungen bei Emerging Markets Investments verkraften können.

Ian Simmons kam 2004 von Fidelity zu Fiera Capital, vormals Charlemagne Capital. Zunächst war er Aktienanalyst für die Region Asien, später für Lateinamerika, 2009 wurde er leitender Portfoliomanager für die Region. Seit 2018 ist er leitender Portfoliomanager für sämtliche Schwellenländerstrategien.

Hinweis:

Die Besprechung von Wertpapieren und Investments auf dieser Seite ersetzt keine professionelle Beratung und ist nicht als Kaufempfehlung zu betrachten. „Die Presse“ übernimmt keine Haftung für die künftige Kursentwicklung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2019)

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