Maut: Kapsch wehrt sich gegen Kündigung Deutschlands

Die deutsche Pkw-Maut ist gescheitert. Der Mautsystemhersteller will nun eine Entschädigung aus Berlin.

(c) APA/dpa/Julian Stratenschulte

Wien. Was die Autofahrer freut, wird für Kapsch zur Farce. Die geplante deutsche Pkw-Maut ist aufgrund eines EuGH-Urteils vom Tisch. Kapsch hätte gemeinsam mit dem deutschen Ticketvermarkter CTS Eventim die Mauteinhebung abwickeln sollen. Prompt kündigte die deutsche Bundesregierung die Verträge und beschuldigte die Betreiberfirmen der Pkw-Maut, nach dem Stopp des Projektes noch Aufträge von weit über einer halben Milliarde Euro vergeben zu haben. Die deutsche Regierung dürfte einen Weg aus der Entschädigungszahlung suchen.

Kapsch will sich nun gegen die Kündigung wehren. „Dankbarkeit bekommen Sie in der Politik sowieso nicht. Wir schauen, dass wir das bekommen, von dem wir glauben, dass es uns zusteht“, sagte der Firmenchef Georg Kapsch am Dienstag auf der Aktionärsversammlung des Unternehmens.

 

Zwei Mio. Euro Rückstellung

Die Verträge laufen allerdings am Monatsende aus. Daher hielt sich der Kapsch-Chef mit Details zurück. Er wolle schließlich die Chancen in einem künftigen Verfahren nicht gefährden, sagte er. Auch die in der Branche genannte Entschädigungsforderung in Höhe von 300 Mio. Euro wollte Kapsch nicht bestätigen. „Die Werte, die in Zeitungen kursieren, sind nicht von uns“, sagte er. Auch darüber, welche Kosten die Kündigung der Verträge mit sich bringe, bewahrte der Manager Stillschweigen. Er räumte aber ein, dass im ersten Quartal 2019/20 eine Rückstellung in Höhe von zwei Mio. Euro vorgenommen worden sei. Die Frage eines Aktionärs, ob mit weiteren Rückstellungen zu rechnen sei, ließ er unbeantwortet. „Wir werden die Berechnungen nach dem 30. September machen.“Für das Geschäftsjahr 2018/19 schüttet der Mautsystemhersteller eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie aus. Insgesamt werden damit 19,5 Mio. Euro an die Aktionäre weitergegeben.

Darüber hinaus ließ sich der Vorstand zum Kauf eigener Aktien im Ausmaß von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals ermächtigen. Die Ermächtigung gilt vom 10. September 2019 bis zum 10. März 2022. An der Wiener Börse mussten die Aktien von Kapsch TrafficCom kräftig Federn lassen. Sie fielen eine Stunde vor Börsenschluss um rund drei Prozent auf 33,40 Euro. Kurz vor dem EuGH-Urteil im Juni waren die Papiere noch um einen Euro mehr wert. Trotzdem entwickeln sich die Kapsch-Werte über dem allgemeinen Markttrend. (mad)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2019)

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