Der Goldnotierung droht der Absturz

Kolumne Die Zinsenpläne der Fed setzen dem Edelmetall zu. Ein Rückgang unter die 1000-Dollar-Marke droht.

(c) APA/AFP/NIKOLAY DOYCHINOV (NIKOLAY DOYCHINOV)

Kurz hatte es zumindest charttechnisch so ausgesehen, als könnte der niedergeprügelte Goldpreis zumindest zu einer kleinen Zwischenrallye ansetzen. Aber das Strohfeuer flackerte nur kurz. Nicht einmal die zwischenzeitlich doch recht deutlich gestiegene Volatilität an den Börsen konnte dem früheren Krisenmetall wirklich auf die Beine helfen.

Jetzt ist die Luft endgültig raus. Gold macht sich auf den Weg, neue Tiefs auszuloten. Am Freitag beispielsweise ist die Notierung unter 1100 Dollar je Feinunze gerutscht. Und jetzt nimmt die Notierung die 1000-Dollar-Schwelle ins Visier. Dummerweise von oben.

Die 1000 Dollar sind dem Edelmetall in der vergangenen Zeit zwar schon einige Male vorausgesagt worden. Jetzt könnten sie aber Realität werden. Das Umfeld hat sich für ein Krisenmetall nämlich ziemlich drastisch verschlechtert.

Hauptproblem ist die US-Notenbank Fed. Sie hat bisher eher widersprüchliche Signale in Sachen bevorstehender Zinswende von sich gegeben. Jetzt neigt sich die Waage aber immer mehr in Richtung eines ersten Zinsschritts noch im kommenden Dezember. Und diesem werden dann natürlich weitere folgen.

Beobachter gehen davon aus, dass der derzeit bei de facto null liegende US-Leitzins im Oktober erst einmal um 0,25 Prozentpunkte angehoben wird. Bis zur zweiten Hälfte des kommenden Jahres könnte es dann schon ein ganzer Prozentpunkt sein.

Das ist Gift für ein Anlageinstrument wie Gold, das keine Zinsen abwirft und zudem noch Lagerkosten verursacht. Erstmals seit Langem werden Zinspapiere wie Staatsanleihen damit gegenüber Gold attraktiver. Eine Zinsanhebung dürfte auch den Dollar stützen. Und ein steigender Dollarkurs ist normalerweise ein zusätzlicher Druckfaktor.

Experten gehen jedenfalls davon aus, dass der Goldpreis zum Jahresende unter dem derzeitigen Wert liegen wird. Und am Jahresende noch einmal unter der Notierung vom Jahresanfang. Wann der Tausender fällt, ist unklar. Dass er fällt, gilt für viele Beobachter aber schon als ziemlich sicher. Vom Anlagegesichtspunkt her ist Gold also wohl für längere Zeit keine Alternative. Womit physisches Gold – vom reinen Anlagegesichtspunkt her betrachtet, es gibt ja auch noch andere Herangehensweisen – für die nächste Zeit wohl flachfällt. Wer Geld verdienen will, muss das Edelmetall wohl mittels Optionsscheinen oder Zertifikaten „shorten“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2015)

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