Bahn: Rumänien will seinen Güterverkehr privatisieren

In drei Monaten soll es eine Ausschreibung geben. Für die Rail Cargo Austria „ist der Markt interessant“.

BUKAREST/WIEN (p. m./jaz). Bei den Güterverkehrstöchtern der Staatsbahnen Osteuropas stehen die Weichen auf Privatisierung. Nach der ungarischen MÁV Cargo, die an das Konsortium der ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria (RCA) mit der österreichisch-ungarischen Raaberbahn ging, steht nun der Verkauf der rumänischen CRF Marfa bevor.

Der rumänische Staat will naturgemäß einen ordentlichen Erlös. „Eine Mrd. Euro ist ein realistisches Ziel“, sagt Transportminister Ludovic Orban laut der Zeitung „Ziarul Financiar“. Die beiden privaten rumänischen Konkurrenten setzen den Wert des staatlichen Riesen höher an. Servtrans-Chef George Buruiana nennt den doppelten Betrag.

Ion Garoseanu, Vizepräsident von GFR, meint, CFR Marfs könnte 1,5 bis zwei Mrd. Euro wert sein, „aber es hängt teilweise von der Privatisierungsstrategie ab“.

Erarbeitet wird diese im Auftrag des Transportministeriums vom Beratungsunternehmen Deloitte Romania und der Anwaltskanzlei Bostina & Asociatii. Sobald sie fertig ist, soll es nach einem Regierungsbeschluss einen Tender geben – in etwa drei Monaten.


Vergleich mit Ungarn

Um einen Anhaltspunkt über den wahren Wert von CFR Marfa zu bekommen, vergleicht „Ziarul Financiar“ die bevorstehende Privatisierung mit dem Ungarn-Deal: MÁV Cargo sei um fast genau 400 Mio. Euro an das österreichisch-ungarische Konsortium gegangen. Laut Marktvertretern ist CFR Marfa mehr als doppelt so groß wie das ungarische Unternehmen. MÁV Cargo verfügt über etwas mehr als 13.000 Waggons, aber keine Loks – CFR Marfa hat 51.000 Waggons und fast tausend Triebwagen. Die Rumänen transportierten im Vorjahr mit 19.000 Beschäftigten 52 Mio. Tonnen Güter und setzten dabei 530,6 Mio. Euro um. Zum Vergleich: Bei MÁV Cargo waren es 3170 Personen, 47 Mio. Tonnen und 371 Mio. Euro. Mager waren die Gewinne bei beiden: 8,2 Mio. Euro (netto) bei den Rumänen, 11,1 Mio. Euro (vor Steuern) bei den Ungarn.

Pikant wird die Privatisierung von CFR Marfa durch die Tatsache, dass sich das Staatsunternehmen auch um MÁV Cargo beworben hatte. Allerdings war es mit seinem Gebot nur an elfter Stelle – knapp vor der Deutschen Bahn – gelandet und nicht auf die Shortlist gekommen. Dort befand sich sehr wohl das GFR-Konsortium Grampet, und zwar auf Platz drei. RCA und Raaberbahn waren als Nummer sieben gereiht, ehe sie ihr Angebot verdoppelten.

Von der geplanten Privatisierung der CFR Marfa hat man auch bereits bei der RCA gehört. Ob sich die ÖBB-Tochter an der Ausschreibung beteiligen wird, könne allerdings noch nicht gesagt werden. „Das hängt von den Bedingungen der Ausschreibung ab“, so ein Sprecher des Unternehmens. „Grundsätzlich ist dieser Markt für uns allerdings sehr interessant. Wir sind in Rumänien ja auch schon aktiv.“

In die Strategie der RCA würde die CFR Marfa allemal passen. So bezeichnete der damalige RCA-Vorstand Gustav Poschalko im Sommer im Interview mit der „Presse“ die Balkanregion als mögliches Expansionsgebiet der RCA. Die MÁV Cargo solle als „Plattform für weitere Aktivitäten im Osten“ dienen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2007)

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